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Vertreibung

Vertreibung bezeichnet das gewaltsame Aussiedeln von Bevölkerungsgruppen aus von ihnen besiedelten Gebieten durch machtpolitische und/oder kriegerische Maßnahmen. Das 'Verdrängen' einer Population durch eine andere, stärkere oder machtbessenere Population ist bei Mensch und Tier gleichermassen anzutreffen.

Auch die Völkerwanderungsbewegungen zu Beginn der christlichen Zeitrechnung waren neben möglichen klimatischen Veränderungen in den früheren Siedlungsgebieten auch durch den Druck der einen Menschengruppe (Stamm, Population o.a.) auf die benachbarte Population verursacht und können im Sinne des Wortes als Vertreibung angesehen werden.

Zu den bekanntesten Vertreibungskomplexen des 20. Jahrhunderts zählen:

Im europäischen und vor allem deutschen Kontext wird unter dem Stichwort "Vertreibung" vor allem die Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Mitteleuropa nach dem Zweiten Weltkrieg verstanden. Der gesamte Komplex muß aber im größeren Zusammenhang der Diktaturen von Hitler und Stalin gesehen werden: Hinzu kommen Verschleppungen von Zwangsarbeitern aus Ländern, die Deutschland im Zweiten Weltkrieg besetzt hatte. (Passus raus ????)

Nach dem Potsdamer Abkommen 1945 setzte Stalin neue Staatsgrenzen in Europa durch, die er auch zu ethnischen Grenzen machen wollte. Obgleich offiziell noch keine endgültige Grenze gezogen war, billigten die westlichen Alliierten pauschal diese Vertreibungen, die in einer "humanen" Art geschehen sollten (was der bereits angelaufenen Realität keineswegs entsprach), mit der Begründung, dass die Staaten und Kulturen im Osten "jünger" und "weniger fest gefügt" seien als in Westeuropa und man durch ethnisch homogene Staaten in Zukunft Konflikten wie dem 2. Weltkrieg aus dem Weg ginge.

Bei den Vertreibungsgebieten handelte es sich um:

Von den ungefähr 15 Millionen Vertriebenen haben nur ungefähr 12 Millionen überlebt. Ihre Aufnahme verlangte von Deutschland (sowohl im Westen als auch im Osten) in den 1940er, 1950er und 1960er Jahren eine große Integrationsleistung. Durch die Bevölkerungsverschiebungen im großen Maßstab verdoppelten einige Länder (z.B. Mecklenburg) ihre Einwohnerzahl, vormals konfessionell homogene Regionen mit starken eigenen Traditionen (z.B. Oberbayern, Lüneburger Heide) besaßen nun große Bevölkerungsgruppen mit einem anderen Lebensstil und konfessioneller Prägung. Zum Teil kam es zu ganzen Städte- und Ortsneugründungen (Espelkamp, Waldkraiburg, Traunreuth, Geretsried, Pentenried bei München).

In den von Deutschen verlassenen Gebieten Polens wurden unter anderem ebenfalls vertriebene Polen aus dem ehemaligen Ostpolen (der Region Wilna, der westlichen Hälfte des heutigen Weißrussland, Wolhynien und Galizien) angesiedelt. Hinzu kamen unzählige polnische Zwangsarbeiter, die nun mit der Westverschiebung ihres Heimatlandes heimatlos geworden waren und nun in für sie fremden Regionen sesshaft werden mussten. Die von den Polen im Osten verlassenen Gebiete waren vor dem Krieg dicht besiedelt und wurden von einem Völkergemisch bewohnt. Heute wohnen in diesen nun dünn besiedelten Gebieten nach dem Völkermord an der jüdischen Bevölkerung und der Vertreibung der Polen, die dort meistens die Oberschicht stellten, fast nur noch jeweils Weißrussen, Litauer, Ukrainer und Russen.

Im an die Sowjetunion gefallenen Kaliningrader Oblast wurden ebenfalls zwangsumgesiedelte Russen, Weißrussen und Ukrainer angesiedelt. Vielfach strandeten auch ehemalige sowjetische Zwangsarbeiter auf dem Weg aus Deutschland nach Russland im ehemaligen Nordostpreußen, da sie zu Hause ein Prozess wegen Landesverrats erwartet mit der Begründung, dass sie überhaupt in deutschen Munitionsfabriken gearbeitet hätten.

Im Sudetenland wurden vor allem Tschechen aus dem Landesinneren, Slowaken und Sinti und Roma angesiedelt (meistens unter Zwang, oft auch als Strafe), die man "bei der Gelegenheit" zu einem sesshaften Leben zwingen wollte. Hinzu kamen viele als "Repatrianten" bezeichnete Tschechen, die aus Familien stammten, die früher mal nach Frankreich, Polen oder die USA ausgewandert waren.

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1 Motive für die Vertreibungen in Mitteleuropa nach dem 2. Weltkrieg
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Motive für die Vertreibungen in Mitteleuropa nach dem 2. Weltkrieg

Hinter den Vertreibungen der Deutschen aus dem Osten standen mindestens zwei Hauptursachen:

1. Die nationalsozialistische Expansions- und Ausrottungspolitik während des Zweiten Weltkriegs hat die bereits belasteten, aber immer noch tragfähigen Beziehungen zwischen Deutschen und anderen Volksgruppen in Mittel- und Osteuropa, von Grund auf zerstört. Die als "Untermenschen" angesehenen und behandelten Völker wurden durch diese Politik in eine Position getrieben, in der nur noch der bewaffnete Partisanenkampf gegen die deutschen Aggressoren als Mittel der Selbstverteidigung blieb. Mit der sich abzeichnenden militärischen Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands bekamen die mit Ausrottung bedrohten Völker die Gelegenheit sich für die ihnen zugefügten Verbrechen zu rächen. Der Besitz der Vertriebenen wurde dabei enteignet, konfisziert oder geplündert, so dass auch diese ökonomische Seite der Vertreibung, der Raubzug und die Bereicherungsabsicht, zu den eigentlichen Vertreibungsmotiven gezählt werden muss.

2. Für die von Stalin eingesetzten kommunistischen Regime waren die Vertreibungen der Deutschen eine Gelegenheit ihre persönliche diktatorische Macht zu festigen. Statt den mittel- und osteuropäischen Völkern ein freiheitlich-demokratisches System zuzugestehen, wurde ein Feindbild benötigt, das von den Plänen der Kommunisten ablenken und die Aggressionen der Bevölkerung auf die Deutschen ableiten konnte. Mit der Vertreibung der Deutschen schufen die kommunistischen Nachkriegsregierungen außerdem national homogene Staatswesen und konnten sich scheinbar so vieler Konflikte der Vorkriegszeit, die auf dem multinationalen Charakter dieser Staaten als Vielvölkerstaaten beruhten, zumindest vorläufig, entledigen.

Insgesamt rechnet man, dass im 20. Jahrhundert weltweit ungefähr 50 Millionen Menschen vertrieben worden sind, manche sogar mehrmals innerhalb nur einer Generation.

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