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Tourette-Syndrom

Das Tourette-Syndrom (TS) ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch Tics charakterisiert ist. Tics sind spontane, plötzliche und häufig heftige Bewegungen oder Lautäußerungen, welche wie folgt gekennzeichnet sind:

Beispiele für Tics sind einfache, jedoch schwer kontrollierbare Tics wie Augenblinzeln, Kopf- und Schulterrucken, Grimassen ziehen sowie das Ausstoßen bestimmter Geräusche, z.B. Schreie, räuspern, husten, quieken usw. Komplexe Tics sind z. B. das plötzliche Aufspringen, das Berühren anderer Leute oder Gegenstände, oder auch selbstverletzende Tics. Häufig treten auch verbale Tics auf wie das Herausschleudern von obszönen oder unmoralischen Wörtern, obwohl der Betroffene dies natürlich nicht will. Die Palette der Tics ist sehr, sehr vielfältig und erschwert die Diagnose. Dabei hat ein Betroffener gewöhnlich die volle Intelligenz.

Die Bezeichnung "spontan", die zur Beschreibung der Tics verwandt wird, führt mitunter zu Missverständnissen. Die meisten unter TS leidenden Personen besitzen nur in beschränktem Maß eine Eigenkontrolle über ihre Symptome. Dies führt zu einem zeitlichen Verschieben schwerer "Tic-Entladungen", jedoch nicht dazu, dass der unterdrückte Tic gar nicht nach außen dringt (ähnlich dem Drang zum Niesen oder Schluckauf).

Die physiologischen Ursachen hierfür sind noch nicht vollständig bekannt. Bislang wurde nachgewiesen, dass bei TS-Patienten Stoffwechselvorgänge im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten (in den so genannten Basalganglien). Insbesondere betrifft dies den Botenstoff Dopamin. Dieser Stoff dient als Überträgerstoff im Gehirn zur Signalübertragung (beispielsweise auch für Bewegungsabläufe). Es gibt auch eine genetische Komponente.

Die Betroffenen leiden vor allem unter der Reaktion ihrer Umwelt auf ihre Symptome, so dass durch eine möglichst frühe Diagnose erstens eine medikamentöse Symptomdämpfung als auch eine psychologische Anleitung zur sozialen Problembewältigung einsetzen kann. Eine eigentliche Heilung ist derzeit nicht möglich.

Benannt wurde die Störung nach dem französischen Arzt Gilles de la Tourette, die die Symptomatik erstmals um 1885 beschrieb. Es geriet später wieder in Vergessenheit und wurde daraufhin meist falsch diagnostiziert. Erst im letzten Jahrzehnt geriet die Krankheit in Deutschland wieder in das Interesse der Öffentlichkeit und wird nunmehr erforscht.

1993 wurde nach amerikanischem Vorbild die "Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V." gegründet. Sie hat das Ziel, die Öffentlichkeit, die Fachöffentlichkeit sowie Betroffene über Ursachen, Formen, und Folgen der Krankheit des Tourette-Syndroms aufzuklären und zu informieren sowie zur Verbesserung der Behandlungsmethoden beizutragen. Die Tourette-Gesellschaft kann jedoch nicht den medizinischen Rat kompetenter Fachärzte ersetzen. In Deutschland gibt es in den meisten Bundesländern Selbsthilfegruppen oder Ansprechpartner.

Weblinks

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