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Siemens-Martin-Verfahren

Das Siemens-Martin-Verfahren ist ein heute in Europa nur noch selten angewandtes Verfahren zur Reinigung von Roheisen mit dem Ziel der Stahlgewinnung.

Das Siemens-Martin-Verfahren gehört zu den so genannten Herdfrischverfahren. Es wurde 1864 von dem deutschen Techniker Wilhelm von Siemens und dem französischen Hüttenfachmann Pierre Martin entwickelt und nach ihnen benannt. Ursprünglich bezeichnete es nur das Zusammenschmelzen von Roheisen und Stahlschrott, später ging man dazu über, auch Erz mit einzuschmelzen (Erzschmelzverfahren).

Um aus im Hochofen gewonnenem Roheisen Stahl zu erzeugen, müssen die enthaltenen Begleitelemente wie Kohlenstoff, Mangan, Silicium, Phosphor und andere entfernt werden. Das geschieht durch das so genannte Frischen. Dabei werden die Begleitstoffe oxidiert und entweichen entweder gasförmig (z.B. CO2) oder schwimmen als Schlacke von festen Oxiden auf dem flüssigen Stahl.

Beim Siemens-Martin-Verfahren wird der oxidative Effekt durch die Zugabe eines bestimmten Anteils an Roheisen und/oder Schrott erreicht, die Sauerstoff an die Schmelze abgeben. Das Verfahren wurde in einem speziellen Siemens-Martin-Ofen angewandt. Dieser besteht aus einem flachen Herdofen, dem Martinofen. In ihm wird das Roheisen und eventuell zugegebener Schrott, sowie zugegebenes Roheisen geschmolzen. Üblicherweise wird er meist mit der Siemensschen Regenerativfeuerung kombiniert, die in einer darunterliegenden Kammer untergebracht ist. Bei der Regenerativfeuerung werden in Regenerationskammern die gasförmigen Brennstoffe durch die Abgase aus dem Ofen vorgewärmt, um die nötige Temperatur von 1800°C zu erreichen. Auch die heißen Flammgase haben oxidative Wirkung und werden direkt in die Schmelze geleitet.

In Westeuropa wurde das Siemens-Martin-Verfahren weitgehend durch Sauerstoffblasverfahren verdrängt, in den USA und Russland gehört es noch zu den am häufigsten angewandten Verfahren. Das letzte Siemens-Martin-Werk in Westeuropa (1993 stillgelegt) befindet sich in Brandenburg an der Havel. Heute ist es ein Industriemuseum.


Siehe auch: Stahl



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