Sextourismus
Unter Sextourismus versteht man eine Reise, die touristisch organisiert ist, jedoch von den Reisenden im großen Stil dazu genutzt werden, Beziehungen zu lokalen Prostituierten aufzunehmen. Das typische Reiseland für deutsche männliche Sextouristen ist Thailand, für weibliche Sextouristinnen in erster Linie Tunesien und ebenfalls Thailand. Ebenfalls ausgeprägt sind sextouristische Kurzbesuche in grenznahen Gebieten der Tschechischen Republik.Sextourismus ist stets ein Geschäft mit der Armut und nur eine Begleiterscheinung der normalen Prostitution eines Landes; von Thailand wird angenommen, dass nur ca. 1% bis 2% des Sexgeschäfts auf Ausländer, insbesondere westliche Sextouristen entfällt. In typischen Sextourismus-Destinationen ist die Prostitution der Regelfall. Es kann davon ausgegangen werden, dass beinahe alle allein reisenden Männer Sextouristen sind und fast alle Frauen ohne klar definierte und hinreichend bezahlte Tätigkeit ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf ihrer Körper bestreiten. Gastronomische Orte, an denen alkoholische Getränke konsumiert werden können, sind fast ausnahmslos auch Orte, an denen Prostituierte verkehren. Normale Service-Berufe wie Kellnerin im deutschen Sinne existieren nicht, die Prostitution ist die Haupteinnahmequelle der Frauen und der Beruf lediglich eine Gelegenheit, Männer kennen zu lernen.
Die Geschichten der Prostituierten in Sextourismus-Destinationen ähneln sich häufig: Schulbildung ist nicht oder kaum gegeben. Häufig waren sie verheiratet, haben Kinder und wurden von ihrem Mann verlassen. Evtl. wird noch zusätzlich ein Familienmitglied krank, sodass Geld beschafft werden muss. Hauptargument neben der Notwendigkeit Geld zu verdienen ist, dass die Frauen nicht wollen, dass ihre eigenen Töchter in der Prostitution enden.
Sextourismus-Destinationen stellen auch einen Heiratsmarkt dar. Unter den Bardamen finden sich kaum Frauen, die an mehreren Kunden in einer Nacht interessiert sind. Bevorzugt werden Kunden, mit denen ein Dauerverhältnis aufgebaut werden kann, das die gesamte Besuchszeit des Touristen andauert und wenn möglich auch verlängert wird. Sofern sich ein Arrangement finden lässt, bei dem der Partner regelmässig Geld für den Unterhalt der Familie überweist, wird weitere Prostitution vermieden, so gut es geht. Eine Ehe mit einem Ausländer ist eine willkommene Chance, sowohl der Armut als auch der Prostitution zu entkommen. Die eigenen Kinder bleiben dabei häufig im Heimatland zurück.
In den thailändische Heimatdörfern der Frauen wird über Prostitution nicht gesprochen. Zwar ist die finanzelle Unterstützung der Familie willkommen, das Verhalten der Frauen wird aber dennoch missbilligt. In einigen Dörfern soll jede zehnte Frau mit einem Ausländer verheiratet sein, jedoch wird kein Wort darüber verloren, wie sich die Paare kennen gelernt haben.






