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Savoyen

[Dieser Artikel könnte veraltete Informationen beinhalten. Er basiert teilweise auf dem Artikel aus Meyers Konversationslexikon von 1888-1890, vgl. http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/meyers/servlet/showSeite?SeiteNr=0358&BandNr=14&textmode=true&markWords=Savoyen]

Table of contents
1 Land
2 Geschichte Savoyens

Land

Savoyen (franz. Savoie, ital. Savoja), früher zum Königreich Sardinien gehöriges Herzogtum, das eigentliche Stammland des italienischen Königshauses, durch Vertrag vom 24. März 1860 an Frankreich abgetreten, liegt zwischen der Schweiz, Piemont und den französischen Departements Isère und Ain und hat einen Flächenraum von 10.074 Km² mit (1886) 542.446 Einwohnern. Savoyen ist das höchst gelegene Land Europas und wird hauptsächlich von den Savoyer Alpen (mit dem Montblanc, 4810m), im SO, auch von den Grafischen Alpen (mit der Grande Sassiere, 3756m, und den Pässen des Kleinen St. Bernhard und des Mont Cenis) erfüllt und im SW von den Kottischen Alpen (mit dem Mont Tabor, 3173m) berührt.

Die Savoyarden, ein armes, aber ehrliches, genügsames und fleißiges Volk, sprechen ein französisches Patois, unter das italienische Wörter gemischt sind, und gehören der römisch katholischen Kirche an. Da sie im Land keinen ausreichenden Unterhalt finden, so wandern sie massenweise in andre Länder oder nach dem inneren Frankreich, besonders nach Paris, um in niederen Diensten, als Schornsteinfeger, Schuhputzer etc., sich einiges Geld zu erwerben, womit sie dann in die Heimat, an der sie sehr hängen, zurückzukehren pflegen. Das ehemalige sardinische Herzogtum Savoyen bildet gegenwärtig die beiden französischen Departements Obersavoyen und Savoyen.

Departement Obersavoyen

siehe: Haute-Savoie (Departement)

Departement Savoyen

siehe: Savoie

Geschichte Savoyens

"Sapaudia" wird schon im 4. Jahrhundert v. Chr als von Allobrogern bewohnt, erwähnt.

122 unterwarfen es die Römer und vereinigten es mit Gallien, von dem es später die Provinz Alpes Graiae et Poeninae bildete.

437 wurde es von den Burgundern besetzt, gelangte mit dem Untergang des burgundischen Reichs an das Frankenreich und wurde 880 dem arelatischen Reich einverleibt, mit dem es 1032 endlich an Deutschland kam.

Seit 880 wurde es durch Grafen als Vasallen des Reichs verwaltet. Als der mächtigste in dieser Zeit wird der Markgraf von Susa genannt, dessen Linie jedoch schon 1036 erlosch. Seine Macht vererbte sich auf die Grafen von Maurienne, welche als Stammväter der Herzöge von Savoyen angesehen werden. Der erste bekannte derselben, Humbert I. mit den weißen Händen, der durch seinen Vater, den Sachsen Bertold, von Widukind abstammen, nach andern ein Sohn Irmengards, der zweiten Gemahlin König Rudolfs III. von Burgund, aus erster Ehe gewesen sein soll, wurde von Rudolf III 1016 zum Statthalter ernannt und von Kaiser Konrad II 1034 mit Ehablais und andern Besitzungen belehnt. Sein zweiter Sohn, Oddo, erwarb durch seine Vermählung mit Adelheid, einer Tochter Maginfrieds, Susa, Aosta und Turin; sein Sohn Amadeus II. (gest. 1080), der Bruder der Kaiserin Bertha, erhielt für seinen Beistand bei dem Zug Heinrichs IV nach Canossa 1076 von diesem reichen Lohn. Sein Sohn Humbert II. unterwarf sich 1097 die Herrschaft Tarantaise. Unter Amadeus III., Humberts Sohn, wurden dessen Besitzungen 1111 von Heinrich V zur Reichsgrafschaft erhoben; er war der erste, welcher neben seinem Titel eines Markgrafen von Turin auch noch den eines Grafen von Savoyen führte. Thomas I erwarb durch Kauf die Stadt Chambery und das Waadtland und erhielt von König Philipp mehrere Reichslehen; er starb 1233. Sein Sohn und Nachfolger Amadeus IV eroberte 1245 Turin und wurde als treuer Anhänger Kaiser Friedrichs II. von diesem zum Herzog von Chablais und Aosta erhoben; er starb 1253.

Seine Großneffen Thomas III. und Amadeus V. wurden die Stifter der beiden Linien Piemont und Savoyen. Der Stifter der Linie Piemont, Thomas, brachte das Schloss Pignerol und Toulouse an sich und starb 1282. Sein ältester Sohn, Philipp, vermählte sich 1301 mit Isabella von Villehardouin, die ihm Achaia und Morea zubrachte. Ersteres vertauschte er jedoch 1307 an den König Karl II. von Neapel gegen die Grafschaft Alba in den Abruzzen.

Als die Linie mit Ludwig, welcher 1405 die Hochschule zu Turin stiftete, 1418 erlosch, fiel Piemont wiederum an die Linie Savoyen Der Stifter der letztern, Amadeus V., der Große, wusste sein Gebiet sehr zu erweitern, unter anderem durch die Grafschaft Asti, und wurde zum Reichsfürsten und Reichsvikar ernannt; er starb 1323. Sein Sohn Eduard (1323-29) verlor beträchtliche Gebiete an den Dauphin von Vienne, aber dessen Bruder Aymon (1329-43) erwarb durch Vermählung die Anwartschaft auf Montserrat. Amadeus VI vergrößerte sein Gebiet durch Eroberung und Kauf, wurde von Kaiser Karl IV. zum Reichsstatthalter in einem Teil der Schweiz ernannt, focht gegen die Türken in Griechenland, setzte die Primogenitur und die Unteilbarkeit der Lande fest und starb 1383.

Sein Sohn Amadeus VII. erwarb die Schutzherrschaft über Nizza, Ventimiglia und Barcelonette, starb I391. Dessen Sohn Amadeus VIlI. erwarb durch Kauf 1401 die Grafschaft Genf, vergrößerte sein Gebiet noch durch viele andere Landstriche, wurde 1416 von Kaiser Siegmund zum Herzog von Savoyen erhoben, legte aber 1433 die Regierung nieder und wurde 1439 vom Baseler Konzil unter dem Namen Felix V zum Papst erwählt, dankte 1448 freiwillig ab und starb 1451 als Kardinal. Sein Sohn und Nachfolger Ludwig (1433-65) stellte 1445 in einem Grundgesetz die Unveräußerlichkeit der savoyischen Krongüter fest, erwarb ebenfalls mehrere Landstriche und vermählte sich mit Anna von Lusignan, der Tochter des Königs Johann II. von Cypern. Seine Nachfolger waren: Amadeus IX, starb 1472; Philibert I starb 1482; Karl, der seine Rechte kühn gegen Papst Sixtus IV behauptete und dem Markgrafen von Saluzzo, welcher seine Lehnshoheit nicht anerkennen wollte, sämtliche Lande wegnahm und 1489 starb; Karl II., gest. 1496; Philipp H., gest. 1497; Philibert II., gest. 1504, und dessen Bruder Karl III. Unter letzterem besetzte 1535 Franz I. von Frankreich einen Teil von Savoyen, um sich in seinem Kriege gegen den Kaiser einen Durchgang zu bahnen. Genf und Wallis hatten sich schon 1533 unter den Schutz der schweizerischen Eidgenossenschaft gestellt, und Bern besetzte 1536 das Waadtland, Chablais und Gex. Als nun der Krieg nach Piemont gespielt worden war und in dem Waffenstillstand zu Nizza 1538 Savoyen unter Frankreich und Österreich so geteilt wurde, dass ersteres die besetzten Plätze, letzteres Asti, Vercelli und Fossano nahm, kam Karl um seine sämtlichen Länder. Er starb 1553, und ihm folgte sein Sohn Emanuel Philibert, der sich als Feldherr Karls V. und Philipps II. von Spanien im Kriege gegen Frankreich einen Namen erwarb. Er erhielt 1559 durch den Frieden von Cateau-Cambresis die vom Kaiser besetzten Gebiete, 1560 mit Ausnahme von Pignerol, Savigliano und Saluzzo die ihm von Frankreich und 1564 auch die ihm von den Schweizern entrissenen Landstriche größtenteils zurück und schloss mit letztern 1570 einen Waffenstillstand auf 25 Jahre. Nachdem er 1574 endlich auch Pignerol und Savigliano von Frankreich zurückerhalten und 1576 das Fürstentum Oneglia durch Tausch und die Grafschaft Tenda durch Kauf erworben hatte, gab er durch Gründung der Citadelle von Turin dem Land eine Hauptstadt und legte durch Erbauung von Galeeren in Villafranca den Grund zu einer Marine.

Ihm folgte 1580 Karl Emanuel I., der 1601 Bresse, Bugey und Gex an Heinrich IV., Pignerol und mehrere andre feste Plätze an Ludwig XIII. verlor und 1630 starb. Sein Sohn Viktor Amadeus L, dessen jüngerer Bruder, Thomas, der Stifter der Linie Savoyen-Carignan wurde, starb 1637. Unter seinem Sohn Karl Emanuel II. fielen 1659 durch das Aussterben der savoyischen Nebenlinie der Grafen von Genf die Besitzungen derselben an Savoyen. Auf Karl Emanuel II. folgte 1675 sein Sohn Viktor Amadeus II., der 1686 dem Augsburger Bündnis gegen Frankreich beitrat, worauf dieses längere Zeit Savoyen besetzt hielt. Im Frieden zu Vigevano erhielt er jedoch seine Länder wieder zurück. Seitdem schloss sich Savoyen, das im Besitz wichtiger Militärstraßen war, bald an Österreich, bald an Frankreich an, bis die Entwaffnung der savoyischen Truppen durch ein französisches Heer den Herzog endlich offen zum Bündnis mit Österreich drängte (1703). Er verlor Vercelli, Ivrea, Susa, Pignerol und Chierasco an die Franzosen, wurde selbst in seiner Hauptstadt Turin belagert und erst durch Eugens Sieg 7. September 1706 wieder in den Besitz seiner Lande gesetzt. Im Frieden von Utrecht 1713 erlangte er wichtige Vorteile, erhielt den Königstitel, die Zusicherung der Erbfolge in Spanien nach dem Aussterben der dortigen bourbonischen männlichen Linie, sofort aber Sizilien, das er 24. August 1720 gegen Sardinien vertauschte. Seitdem bildeten Savoyen und Sardinien die Sardinische Monarchie, Savoyen wurde aber 1860 an Frankreich abgetreten. Die ältere Linie des Hauses Savoyen erlosch am 27. April 1831, worauf die jüngere Linie, Savoyen-Carignan, auf den Thron kam.




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