Politisch korrekt
Ursprünglich war der Begriff politisch korrekt eine positiv gemeinte Bezeichnung für die loyale Unterstützung einer politischen Partei, und wandelte sich später zu einer ironisch überspitzten Bezeichnung für "übertriebene Parteitreue".
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2 Gegenwart 3 Kritiker der PC 4 Befürworter 5 Weblinks 6 Literatur |
1980er
Seit den 1980er Jahren wurde er dazu benutzt, die so genannten speech codes zu bezeichnen, die mit dem Ziel der Würdigung ethnischer, sexueller und kultureller Unterschiede an den amerikanischen Universitäten eingeführt wurden und in diesem Sinne wird er bis heute benutzt.
Erst seit den 1990er Jahren wurde die Bezeichnung "politisch korrekt" für alternative gesellschaftliche Praktiken auch vermehrt in abwertender Weise von Kritikern zur Verteidigung des herkömmlichen Sprachgebrauchs verwendet.
Gegenwart
Heute wird der Begriff "politisch korrekt" ("Political Correctness", "PC" ausgesprochen: "pießie") von einigen ernsthaft, von anderen ironisch gebraucht. Er bezeichnet Bemühungen, vor allem über die Sprache einen kulturellen Wechsel herbeizuführen, die Benachteilung von Frauen (siehe auch Feminismus), ethnischen Minderheiten, sowie sexuelle Diskriminierungen (z.B. gegenüber Homosexuellen) zu unterbinden.
geschlechtsneutrale bzw. feminisierte Formulierung
So hat sich z.B. als geschlechtsneutrale Formulierung im geschriebenen Deutschen das Binnen-I teilweise etabliert:
(ArbeitnehmerIn)
Studenten werden aus dem gleichen Grund Studierende, Zigeuner werden Sinti und Roma genannt, da sie sich oft selbst so bezeichnen.
Mitunter haben die Bemühungen um politische Korrektheit neue, nicht nur sprachliche Probleme geschaffen. So werden im letzteren Fall durch das Herausheben zweier Gruppen der Zigeuner die anderen zahlreichen Gruppen neuerlich zurückgesetzt.
Kritiker der PC
Slavoj Zizek weist darauf hin, dass sich politisch korrekte Begriffe "abnutzen", wenn sie mit einer gewissen Aggressivität weiter benutzt werden.
So sei durch eine fortwährende Neuschöpfung von Ersatzbegriffen wie in dem Beispiel "Negro - black people - coloured people - Afro-Americans" nichts gewonnen, wenn nicht den Worten eine tatsächliche Integration folgt.
Der heutige "Exzess" der politischen Korrektheit enthülle die Unfähigkeit, die tatsächlichen Ursachen von Rassismus und Sexismus zu überwinden.
Žižek meint, dass die Geisteshaltung der politischen Korrektheit versucht, alle Spuren der Begegnung mit "dem Realen" zu beseitigen.
Die Barbarei des Westens zeigt sich seiner Meinung nach in der Gleichgültigkeit, mit der bei Polizeiaktionen der NATO tote Zivilpersonen als unvermeidliche Kollateralschäden in Kauf genommen werden.
Frigga Haug kritisiert pc, sofern es nur einen Streit um Symbole darstellt und nicht für einen größeren, politischen Streit um Emanzipation steht: Es gelang fast überall, die Legitimität der kulturellen Kämpfe umzudeuten in einen illegitimen Fundamentalismus. Die solcherart Angegriffenen schlugen auf der gleichen Ebenen zurück und verhalfen damit dem Fundamentalismusvorwurf zu Rang und Würden. Sie meint, dass sich pc schon von einem politischen Kampf entfernt hat: Die Ablösung als bloße Sprachpolitik [...] war einer der Hauptsiege im ideologisch-kulturellen Feld selbst, den die konservative Rechte in den letzten zehn Jahren erzielte. (Haug 1996)
Befürworter
Befürworter argumentieren jedoch, dass Sprache nicht politisch neutral, sondern Ergebnis einer sozialen Konstruktion und zugleich Mittel gesellschaftlicher Praxis ist.
Sprache könne entweder Hierarchien tradieren und verfestigen oder als Mittel sozialen Protestes eben diese Hierarchien untergraben.
Tatsache ist, dass die Sprache das Bewusstsein und die Vorstellungen der sprechenden/schreibenden und der zuhörenden/lesenden Personen beeinflusst.
So haben zum Beispiel Dagmar Stahlberg und Sabine Sczesny von der Universität Mannheim in mehreren Studien nachgewiesen, dass Frauen, wenn sie nicht explizit erwähnt werden (also das so genannte generische Maskulinum benutzt wird), auch nicht "mitgedacht" werden.
Siehe auch: Euphemismus, Neusprech, Linientreue, Obrigkeitstreue
Weblinks
Literatur






