Oedipus tyrannos
Oedipus Tyrannos ist Sophokles' dramatische Bearbeitung des Ödipus-Mythos (436-433 v. Chr.) und neben den weiteren Bearbeitung (durch Aischylos, Euripides, Xenokles, Meletos u.a.) die einzige in die Gegenwart überlieferte Fassung.Im Zentrum der Tragödie stehen drei Konflikte: erstens das Problem menschlicher Erkenntnisfähigkeit (die Frage, wie der Mensch die Welt sieht und versteht), zweitens das Verhältnis von Menschen und Göttern (bei Sophokles ist der Mensch hilflos einem unerbittlichen und grausamen Schicksal ausgeliefert) sowie drittens die Ambiguität von subjektiver und objektiver Schuld. Sowohl der Vatermord als auch die Blutschande machen Ödipus zu einem Verbrecher. Dennoch ist er subjektiv unschuldig. Denn unwissend beging er Taten, die er wissentlich nie begangen hätte. Ödipus ist das tragische Opfer einer von Missverständnissen und Verblendungen getragenen Fabel.
Sophokles’ Bearbeitung des Mythos erfuhr bereits in der griechischen Antike höchste Wertschätzung. So erklärt Aristoteles in seiner "Poetik" (4. Jh. v. Chr.) das sophokleische Drama zum Musterfall der Tragödie, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Handlungsführung, des Umschlagens von Glück in Unglück ("peripetie") sowie von Verblendung zur Selbsterkenntnis ("anagnorisis").






