Mühlhausen (Thüringen)
Mühlhausen in Thüringen, Kreisstadt im preußischen Regierungsbezirk Erfurt, ehemals freie Reichsstadt, an der Unstrut und der Linie Gotha-Leinefelde der Preußischen Staatsbahn, 206 m ü. Mühlhausen, hat 5 Vorstädte, 7 Tore, 4 evangelische Kirchen (darunter die fünfschiffige Marien- oder Frauenkirche aus dem 14. Jahrhundert und die Blasiuskirche aus dem 12. Jahrhundert, mit alten Glasmalereien), eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein altertümliches Rathaus, ein Theater, ein Waisenhaus etc. und 1885 mit der Garnison (3 Eskadrons Ulanen Nr. 6) 25.141 meist evangelische Einwohner, welcheFabrikation von wollenen, halb-und baumwollenen Stoffen, von Strumpfwaren, Näh- und Stickmaschinen, Holzwaren und Möbeln, Leder, Leim, Kesseln und Bierapparaten, Wollgarnspinnerei, Färberei, Bierbrauerei etc. betreiben.Der Handel, besonders lebhaft in Getreide, Handelsfrüchten (Anis, Koriander etc.), Gartenerzeugnissen, Vieh, Wolle etc., wird durch eine Handelskammer. eine Reichsbanknebenstelle und 3 andre Bankinstitute unterstützt.
Mühlhausen ist Sitz eines Amtsgerichts und hat ein Gymnasium, ein Realprogymnasium und eine Musikschule.
Geschichte
Mühlhausen, ursprünglich ein königliches Kammergut, erhielt zu Anfang des 13. Jahrhunderts Stadtrecht und dann Münz- und Zollrecht. Gegen die Burg, auf der ein königlicher Burggraf waltete, schloß sich die Stadt um die Mitte des 13. Jahrhundert durch Mauern ab.
1251 erhielt sie das Recht, den Schultheißen zu ernennen, und wurde dadurch freie Reichsstadt, wenn auch jenes Amt noch im 14. Jahrhundert eine Zeitlang an den Fürsten von Henneberg verpfändet war. Inzwischen hatte auch die Burggrafschaft ihr Ende erreicht, und ihre Befugnisse wurden von der Stadt erworben. Unter Karl IV erhielten die Zünfte Vertretung im Rat.
Mit dem Bauernkrieg wurde Mühlhausen durch Thomas Münzer zum Zentrum der Bewegung, die durch die Stadt niegergeschlagen wurde. 1556 nahm sie die Reformation an.
Durch den Ankauf der Liegenschaften des Deutschen Ritterordens (1599) erwarb die Stadt einen großen Grundbesitz (im ganzen 220 km²).
Auf dem Fürstentag zu Mühlhausen (März 1620) gab der Kurfürst von Sachsen die Sache der Union preis und erklärte sich mit den rheinischen Erzbischöfen für den Kaiser.
1707/1708 war Johann Sebastian Bach Organist an der Hauptkirche Divi Blasii. Zum Ratswechsel am 4.2.1708 entstand die Kantate BWV 71.
1802 kam Mühlhausen an Preußen, 1807 an Westfalen und 1815 abermals an Preußen.






