Moderne
Die Moderne bezeichnet die Epoche, die im 19. Jahrhundert (oder schon im 18. Jahrhundert) einsetzt und deren Ende umstritten ist, aber mindestens bis ins 20. Jahrhundert reicht. Teils wird die Moderne als bereits beendet betrachtet, was durch den Begriff der Postmoderne markiert wird, teils wird die Moderne als noch andauernd angesehen. Gelegentlich wird die Moderne auch als eine Art Endstadium einer Entwicklung bezeichnet, für das es folglich keine Überwindung mehr gibt.
Epochengeschichtliche Betrachtung
Der Beginn der Moderne wird häufig auf die Französische Revolution gelegt. So sieht der US-amerikanische Soziologe Daniel Bell den Hereinbruch der Moderne mit dem Jahr 1789. Andere sehen eher einen Prozess der Entstehung der Moderne, der sich allmählich nach 1789 im 19. Jahrhundert vollzieht.
Als wesentliche Elemente der Moderne werden angesehen:
- die Säkularisierung als Folge der Aufklärung und die damit verbundene Hoffnung, eine Art Menschheitsreligion würde an die Stelle der institutionalisierten Religionen treten.
- die Industrialisierung, auch Industrielle Revolution genannt, insbesondere der Übergang von der manuellen, handwerklichen Fertigung zu Massenproduktion durch Maschinen, damit auch die Ablösung der feudalen Gesellschaft (Ancien régime) durch Kapitalismus und Demokratie.
- der Fortschrittsglaube, d. h. die Vorstellung, dass die materiellen Errungenschaften des Menschen unbegrenzt wachsen (fortschreiten) könnten.
- die Rationalität, d. h. der Glaube an die Vernunft und die Vorherrschaft rationaler Überlegungen (Vernunftglaube).
- die Autonomie gesellschaftlicher Bereiche, wie Ethik, Politik, Recht und Wirtschaft. siehe (Emanzipation)
Neben der zeitlichen Dimension sollte auch die räumliche Begrenzung der Moderne betrachtet werden. Auch wenn moderne Einflüsse heute auf alle Kulturen festzustellen sind, so ist das beispielweise in Asien vorherrschende zirkulare Denken dem linearen Denken des westlichen Fortschrittsglaubens deutlich entgegengesetzt.
Den kulturellen Höhepunkt erreicht die Moderne in Europa und Nordamerika in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Besonders das deutsche Bauhaus hat sich als kulturelle Keimzelle der Moderne hervorgetan. Während in Russland die Bolschewiki und in Italien die Faschisten wenigstens in Kunst und Architektur mit der Moderne übereinstimmten, haben die deutschen Nationalsozialisten die Moderne zum Teil als "entartet" bekämpft. Auch Stalin war kein Anhänger der Moderne; seine Präferenzen in Kunst und Architektur lagen beim sozialistischen Realismus. Doch auch in anderen europäischen Ländern und in den USA stand die internationale Moderne im Gegensatz zu dem wiedererweckten Nationalismus und vielen fundamentalistischen Tendenzen.
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