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Kamerasystem

Als Kamerasystem wird eine Kombination aus einer fotografischen Kamera, der Systemkamera, und dem dazu kompatiblen Systemzubehör bezeichnet. Die Verwendung des Begriffs ist in der Fotografie heute nicht mehr konsistent; teilweise werden schon einfache Kompaktkameras mit einer Handvoll von separat zu erwerbenden Zubehörteilen als Kamerasystem vermarktet, was aber der eigentlichen Bedeutung des Begriffs widerspricht.

Table of contents
1 Merkmale
2 Segemente
3 Anbieter

Merkmale

Folgende Merkmale kennzeichnen ein Kamerasystem:

Nicht in jedem Kamerasystem werden alle Kriterien erfüllt. Als Faustregel gilt jedoch, dass Mindestens drei der fünf Kriterien erfüllt werden sollten.

Grenzfälle:

Segemente

Systemkameras werden in unterschiedlichen Marktsegmenten angeboten, beispielsweise gibt es Kamerasysteme für Kleinbildkameras, Mittelformatkameras und Digitalkameras.

Folgende Anbieter sind in den unterschiedlichen Segmenten aktiv:

Anbieter

Zwischen den Kamerasystemen der einzelnen Anbieter gibt es eine Reihe von bemerkenswerten Eigenschaften.

Canon

Canon bietet ein Kamerasystem, das EOS-System, das sowohl Analogkameras mit Autofokus als auch kompatible Digitalkameras umfasst.

Das analoge FD-System mit manuell zu fokussierenden Kameras wird nicht mehr unterstützt. Da Canon mit der Einführung des EOS-Systems auch ein neues Bajonett etabliert hat, können Objektive mit dem alten FD-Bajonett an EOS-Kameras entweder gar nicht oder nur mit Adaptern von Drittanbietern genutzt werden.

Im Bereich der Digitalkameras existiert, neben den beiden extrem teuren digitalen AF-SLR-Kameras EOS D30 und EOS-1 D, kein vollwertiges digitales Kamerasystem, jedoch eine Fülle an isolierten Produktlinien wie PowerShot, Digital IXUS und ION (Modellreihe wird nicht mehr gepflegt). Die Bezeichnung "PowerShot" ist willkürlich und wird wohl nur aus Marketinggründen verwendet; ein sich weiterentwickelndes Konzept sowie eine kontinuierliche Modellpflege, wie es beispielsweise bei den Kameras der E-Serie von Nikon erkennbar ist, gibt es bei den Canons PowerShot-Produkten nicht; hier werden vielmehr unterschiedlichste Produktlinien (S-Serie, G-Serie, A-Serie u.a.) inhomogen zusammengement.

Vorbildlich ist dagegen die konsequente Produktpflege des EOS-Systems, das sowohl analoge KB-SLR-Kameras als auch hochwertige digitale SLR-Kameras umfasst.

Contax

Das heutige Unternehmen Contax gehört, wie auch Yashica, zu dem japanischen Konzern Kyocera; die Marke "Contax" gehört heute Carl Zeiss (Quelle). Das Bajonett entspricht dem des Yashica-Kamerasystems. In die Firmengeschichte sind neben Kyocera auch Zeiss Ikon und Pentacon involviert. Contax ist auch der der Name einer legendären Kleinbild-Meßsucherkamera, mit der Zeiss Ikon in Dresden sich ab 1930 als Hersteller "der besten Fotoapparate der Welt" (Quelle) etabliert hat.

Ab 1954 wurde die Contax D ("D" für "Dresden") gebaut, die noch das Zeiss Ikon-Logo trägt. An 1958 wurde die Contax F gebaut, die bereits das Pentacon Symbol trägt; Pentacon ist ein ein Akronym, das aus Pentaprisma und Contax gebildet wurde (vgl. [1]).

Vier Kamerasysteme sind heute von Contax verfügbar:

Die Kameras von Contax haben einen ausgezeichneten Ruf, die Objektive werden von Carl Zeiss gefertigt und vermarktet.

Es gibt einige Autofokus-Kameras, die Contax N1 und die Contax NX, die das gleiche Bajonett verwenden wie die älteren Modelle. Ältere Objektive können nur mit Zeitautomatik oder manueller Einstellung verwendet werden, passen aber an alle Kameras.

Auf dem Gebrauchtmarkt haben Conatx-Kameras, ähnlich den Spitzenmodellen von Nikon und Leica, eine hohe Wertstabilität; gut erhaltene Kameras werden beispielsweise auf Fotobörsen annähernd zum Neupreis gehandelt.

Leica

Leica bietet heute zwei Kamerasysteme:

M42

M42 ist kein Hersteller, sondern die Bezeichnung für ein älteres, heute nicht mehr verbreitetes, genormtes Schraubgewinde, das beispielsweise in Kameras von Praktica und Ricoh verwendet wurde; M42 ist der Nachfolger des älteren M39-Schraubgewindes und stammt aus einer Zeit, als die Kamerahersteller noch nicht versuchten, die Kunden an das eigene System durch proprietäre Objektivbajonette zu binden.

Das früher übliche M42 Schraubgewinde ist heutzutage fast völlig vom Markt verschwunden. Kameragehäuse für dieses Gewinde sind nur noch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Jedoch bieten einige Firmen (z.B. Tokina, Soligor, Sigma) gelegentlich auch neue Objektive an, die für die "alten" und neuen Kameragehäuse passen (vgl. [1]).

Objektive mit M42-Gewinde lassen sich an allen Kameras verwenden, für die es mechanische Adapter gibt (z.B. Canon FD und EOS, Contax/Yashica, Minolta MD und AF, Nikon, Pentax K, Praktica).

Minolta

Das seit 1928 existierende Unternehmen Minolta bietet folgende Kamerasysteme:

Das Minolta-System bietet keine so konsequente Abwärtskompatibilität wie Nikon; die AF-SLR-Kameras verwenden das A-Bajonett, die digitalen Spiegelreflexkameras mal das A- und mal das V-Bajonett; Minolta bietet derzeit keine digitale Kamera mit Wechselobjektiven an.

Bei Minoltas AF-System befindet sich der AF-Motor i.d.R. im Kameragehäuse (bei Canon: Ultraschallmotoren im Objektiv; bei Nikon: neue AF-S-Nikkore; auch die Minolta-Vectis-Objektive aus dem APS-Bereich (V-System) arbeiten mit integrierten Motoren). Minolta bietet erst seit Ende 2003 Objektive mit integriertem Motor.

Das Kamerasystem konnte nie erfolgreich im Profi-Segment etabliert worden wie die konkurrierende Systeme von Canon oder Nikon; dementsprechend ist beispielsweise das Angebot an Höchstleistungsobjektiven wie Shiftobjektiven gering.

Die Stärken des Minolta-Systems liegen im kundenfreundlichen Preis-Leistungsverhältnis in allem Marktsegmenten, vom Einsteiger- bis zum Profisystem, der preiswerten Integration von nützlichen Funktionen wie drahtloser Blitzsteuerung, HSS-Blitz, der kürzesten Verschlusszeit von 1/12.000 Sekunde sowie eine Blitzsynchronzeit von 1/300 Sekunden.

Minolta pflegt die professionellen Komponenten aus Prestigegründen, sowohl bei den Gehäusen (Dynax 9) als auch bei Objektive (Objektive der "G"-Serie), obwohl diese High-End-Geräte nur einen geringen Marktanteil haben.

Nikon

Nikon bietet mehrere Kamerasysteme: Analog: F-System (mit Autofokus sowie manuell) und Nikonos (Unterwasserkameras); Digital: E-System (CoolPix, Sucherkameras), D-System (digitale SLR-Kameras).

Wie auch Pentax und Contax hat Nikon bei der Einführung der Autofokus-Kameras das Bajonett nicht geändert; alte Nikon-Objektive können ohne Adapter an Autofokuskameras verwendet werden können und umgekehrt; der Funktionsumfang ist dann jedoch häufig eingeschränkt. Grundsätzlich gilt das auch für die digitalen SLR-Kameras des D-Systems; auch hier hat Nikon das Bajonett beibehalten. Damit ist Nikon der Systemanbieter mit der höchsten Systemstabilität in Bezug auf Investitionssicherheit und -schutz.

Das Angebot an Systemzubehör ist ebenfalls einzigartig und umfassst nahezu alles, was ein Fotograf jemals benötigen kann.

Die Qualität der Objektive ist teilweise hervorragend; das Objektivsystem bietet ausserdem diverse Spezialitäten wie Objektive mit Ultraschallmotor (AF-S, Silent Wave), verschiedene Makroobjektive mit Brennweiten zwischen 60 und 200 mm und diverse lichtstarke Teleobjektive im Bereich zwischen 300 und 600 mm.

Die Kameras der prefessionellen Modellreihen ("F"-Serie) sind ausgesprochen robust, auch ältere mechanische Modelle funktionieren meist noch nach Jahrzehten sehr zuverlässig.

Wie auch Canon bietet Nikon einen an professionellen Fotografen ausgerichteten Service; höherwertige Kameras können daher bei den entsprechenden Servicepartnern innerhalb von 24 Stunden repariert werden; ausserdem besteht die Möglichkeit, "exotische" Objektive (z.B. extreme Telebrennweiten) bei bestimmten Fotohändlern zu mieten.

Nikon-Objektive und -Kameras weisen eine sehr hohe Wertbeständigkeit auf und sind auf Fotobörsen oder im Gebrauchtmarkt begehrt; bei hochwertigen Komponenten kann man auf dem Gebrauchtmarkt häufig auch noch nach Jahren annähernd den Neuwert erzielen. Umgekehrt bedingt dies jedoch auch, dass Nikon-Systemkomponenten eben auch auf dem Gebrauchtmarkt relativ hochpreisig sind.

Im Digitalbereich bietet Nikon neben dem hochpreisigen D-System mit SLR-Kameras das E-System (Marketingbezeichnung CoolPix), das seit einigen Jahren kontinuierlich gepflegt und erweitert wird.

Olympus

Das Olympus-Kamerasystem umfasst sowohl Olympus-Kameras (OM-Serie) als auch Festbrennweiten sowie Systemzubehör. Das SLR-System hat einen geringen Marktanteil und ist Anfang 2002 vollständig eingestellt worden. Objektive und Zubehör sind im Kamerahandel i.d.R. nur noch auf Anfrage erhältlich, nur für bestimmte Modelle soll für einen begrenzten Zeitraum noch die Versorgung mit Ersatzteilen sichergestellt sein.

Ein vorhandenes Olympus-System lässt sich durch Gebrauchtkäufe noch in einem gewissen Rahmen ausbauen, es ist jedoch fraglich, ob Investitionen in dieses tote System noch sinnvoll sind. Fremdhersteller von Wechselobjektiven unterstützen das Olympus-Bajonett i.d.R. nicht mehr.

Olympus konzentriert seine Aktivitäten im Bereich der Olympus-Digitalkameras; hier verfügt der Anbieter über einen hohen Marktanteil, ist jedoch aus verschiedenen Gründen umstritten.

Ganz grundsätzlich stellt sich für potentielle Kunden die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, in das Kamerasystem -- egal ob analog oder digital -- eines Herstellers zu investieren, der eine ganze Modellreihe einfach ersatzlos und ohne Anbieten eines Migrationspfades einstellt.

Pentax

Das Pentax K-Bajonett findet sich nicht nur bei Pentax, sondern auch bei Ricoh und diversen Lizenzfertigungen (z.B. Porst, Revue); dadurch ist dieses System recht verbreitet.

Sowohl Qualität als auch Preis von Kameras und Objektiven decken ein recht weites Spektrum ab. Objektive, die für Blenden- und Programmautomatik geeignet sind (PK-A), erkennt man am grünen "A" auf dem Blendenring.

Pentax hat -- im Gegensatz zu Minolta und Canon -- bei der Einführung von Autofokuskameras das Bajonett beibehalten; die Objektive sind kompatibel zu den Pentax-Kameras mit Autofokus; Autofokusobjektive können auch an älteren Kameras mit K-Bajonett verwendet werden, allerdings ohne automatische Fokussierung.

Die Preisstabilität von Markenartikeln (z.B. SMC Pentax) ist durchschnittlich, Lizenzfertigungen von Porst und Revue können dagegen sehr preiswert auf dem Gebrauchtwarenmarkt erworben werden.

Ricoh

Ricoh ist ein japanischer Hersteller, der schon seit 1938 Kleinbildkameras fertigt, damals noch mit dem seinerzeit üblichen M39-Schraubgewinde. Später folgte bei den Spiegelreflexkameras das damals übliche M42- Schraubgewinde als Objektivanschluß.

Sigma

Sigma produziert eine kleine Reihe von analogen Kleinbild-SLR-Kameras (SA-5, SA-7, SA-9 u.a.) sowie seit Anfang 2002 auch digitale SLR-Kameras. Die dazu gehörenden Wechselobjektive fertigt Sigma selbst, ergänzend produziert Sigma auch Blitzgeräte. Es existiert der Grundstock für ein kleines Kamerasystem, das zwar technologisch interessant ist, jedoch am Markt bisher keine grössere Bedeutung hat und deren Kontinuität nicht gewährleistet ist.

Yashica

Yashica gehört, ebenso wie Contax, zur Kyocera-Unternehmensgruppe. Im Spiegelreflex-Bereich verfügt Yashica über kein ausgebautes Kamerasystem, eine Palette mit Objektiven und Zubehör ist jedoch verfügbar.

Die manuell zu fokussierenden Kameras verwenden dasselbe Bajonett wie auch Contax. Kameras und Objektive der beiden Firmen lassen sich daher kombinieren. Bei den Yashica-Kameras gibt es einige günstige Modelle, die als Alternative zu den teuren Contax-Gehäusen betrachtet werden können, da man Zugriff auf die hochwertigen Carl Zeiss-Objektive erhält.

Es gibt auch einige Yashica-Kameras mit Autofokus, die aber nur geringen Marktanteil haben.

Die Objektive haben zumeist durchschnittliche Qualität, zumindest fallen sie in Vergleichstests der einschlägigen Fotozeitschriften selten auf; die meisten Modelle sind vergleichsweise günstig.

Sammler zeigen wenig Interesse an Kameras von Yashica, die Wertstabilität ist daher eher gering; einige Modelle sind jedoch auf Fotobörsen sehr günstig zu bekommen.

Weitere Anbieter

Zu den weiteren Anbietern von Kamerasystemen zählen:

Siehe auch: Portal Fotografie.



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