Historismus
Der Ausdruck Historismus bezeichnet in der Stilgeschichte eine Stilrichtung des ausgehenden 19. Jahrhunderts, bei der man auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese nachahmte. Anders als in der vorhergehenden Epoche seit dem 16. Jahrhundert wurde nicht nur versucht, die Architektur der klassischen Antike (wie sie in Rom gefunden wurde) zu kopieren, sondern auch andere Architekturformen, die nunmehr als gleichwertig anerkannt wurden. Einen großen Einfluss übte dabei die Romantik aus, die einen Sinn für das historisch Bedingte entwickeln half.Säulen, Medusenköpfe und Akantusblätter sollten eine "historische" Atmosphäre erzeugen, gelegentlich wurden Elemente verschiedener Epochen in einem Bauwerk kombiniert. Viel Wert wurde auf Repräsentation gelegt, was gelegentlich auf Kosten der Funktionalität ging (siehe Universität Wien). Dies ist auch der Grund, warum der Historismus vor allem Mitte des 20. Jahrhunderts häufig kritisiert wurde.
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2 Neorenaissance 3 Neobarock 4 Neohistorismus 5 Großbritannien 6 Deutschland 7 Österreich 8 Bedeutende historistische Architekten: |
Bauten
Zur dieser Zeit stand die Architektur vor neuen Aufgaben: Die Industrielle Revolution erforderte den Bau von Bahnhöfen, Fabriken und Wassertürmen. Zur Linderung der Wohnungsnot mussten mehrstöckige Zinshäuser errichtet werden.
Teilweise wurden verschiedenen Baustilen unterschiedliche Funktionen zugeschrieben: Kirchen wurden im Stil der Gotik oder der Romanik gebaut, Banken und Bürgerhäuser im Stil der Renaissance (der großen Zeit der Stadtkultur vor allem in Italien), Adelspalais im Barockstil, Fabrikhallen dagegen im "englischen Stil" (meist mit unverputzten Backsteinfassaden)
Neorenaissance
Ein wichtiger historistischer Baustil ist die Neurenaissance in England und Frankreich, für die es auch in Deutschland (Klenze – Palais Leuchtenberg) und Österreich (Wiener Staatsoper) Beispiele gibt.
Neobarock
Ebenso zählen Neoromanik und Neobarock (Wilhelminischer Stil) zu den historistischen Baustilen. Letzterer findet in der Pariser Oper, dem Brüsseler Justizpalast und dem Berliner Reichstag seine Höhepunkte.
Neohistorismus
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kommt es zu neohistoristischen Strömungen, die sich u.a. im Neoklassizismus ihren Ausdruck suchen.
In Großbritannien setzte dies schon Ende des 18. Jahrhunderts ein, ein frühes Beispiel ist die Villa Strawberry Hill, die Horace Walpole um 1775 im neugotischen Stil errichten ließ. Als frühes Meisterwerk der Neugotik gilt auch das Parlamentsgebäude in London aus 1835.
In Deutschland bildete sich mit Karl Friedrich Schinkel zunächst einen ausgeprägter Klassizismus aus. Mit den 1830er Jahren begannen stilistische Mischformen.
Nach 1870/71 breitet sich in Deutschland allgemein ein Eklektizismus genannter Stil aus. Als Initialbau des deutschen, "wilhelminischen" Neobarock gilt eine Wohn- und Geschäftshaus-Bebauung am Beginn der ehem. Kaiser-Wilhelm-Straße in Berlin-Mitte (1887 von Cremer und Wolffenstein).
Weitere historistische Bauwerke in Deutschland:
In Österreich unterscheidet man zwischen Frühhistorismus (vor 1870), strengen Historismus (1870-1880) und Späthistorismus (nach 1880). Der Historismus lebte in Österreich, wo sozusagen zum "Reichsstil" wurde bis 1914 weiter.
Nach diesem Muster entstanden ganze Stadtbezirke, z.B. in Wien die Ringstraße.
Die bedeutendsten Gebäude der Ringstraße sind:
Großbritannien
Deutschland
Österreich
Bedeutende historistische Architekten:






