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Hildebrandslied

Das Hildebrandslied ist eines der frühesten Textzeugnisse in deutscher Sprache. Das überkommene Fragment wird in der Murhardschen Bibliothek in Kassel aufbewahrt; es ist als eine Abschrift des 9. Jahrhunderts (810-820 oder 4. Jahrzehnt des 9. Jahrhunderts) in einem Kodex aus der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts tradiert.

Das Hildebrandslied ist das einzige überlieferte Beispiel für den altdeutschen Heldensang. Dargestellt ist eine Episode aus dem Sagenkreis um Dietrich von Bern, eine Zweikampf-Situation zwischen Hildebrand und seinem Sohn Hadubrand; da der Schluss verloren ist, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, ob das Ende tragisch gestaltet war.

Das Stabreimgedicht besteht aus stark rhytmisierten Langzeilen, von denen 68 erhalten sind. ________________________________________________________________________________

altdeutsche Fassung:

  Ik gihorta dat seggen,
  dat sih urhettun   ænon muotin,
  Hiltibrant enti Hadubrant   untar heriun tuem.
  sunufatarungo   iro saro rihtun.
  garutun se iro gudhamun,   gurtun sih iro suert ana,
  helidos, ubar hringa,   do sie to dero hiltiu ritun,
  Hiltibrant gimahalta [Heribrantes sunu]:   her uuas heroro man,
  ferahes frotoro;   her fragen gistuont
  fohem uuortum, hwer sin fater wari
  fireo in folche,   ...............
  ...............   "eddo hwelihhes cnuosles du sis.
  ibu du mi enan sages,   ik mi de odre uuet,
  chind, in chunincriche:   chud ist mir al irmindeot".
  Hadubrant gimahalta,   Hiltibrantes sunu:
  "dat sagetun mi   usere liuti,
  alte anti frote,   dea erhina warun,
  dat Hiltibrant hætti min fater:   ih heittu Hadubrant.
  forn her ostar giweit,   floh her Otachres nid,
  hina miti Theotrihhe   enti sinero degano filu.
  her furlaet in lante   luttila sitten
  prut in bure,   barn unwahsan,
  arbeo laosa:   her raet ostar hina.
  des sid Detrihhe   darba gistuontun
  fateres mines:   dat uuas so friuntlaos man.
  her was Otachre   ummet tirri,
  degano dechisto  miti Deotrichhe.
  her was eo folches at ente:   imo was eo fehta ti leop:
  chud was her.....   chonnem mannum.
  ni waniu ih iu lib habbe".....
  "wettu irmingot [quad Hiltibrant]   obana ab hevane,
  dat du neo dana halt mit sus sippan man
  dinc ni gileitos".....
  want her do ar arme   wuntane bauga,
  cheisuringu gitan,   so imo se der chuning gap,
  Huneo truhtin:   "dat ih dir it nu bi huldi gibu".
  Hadubrant gimahalta, Hiltibrantes sunu:
  "mit geru scal man   geba infahan,
  ort widar orte.   ...............
  du bist dir alter Hun,   ummet spaher,
  spenis mih mit dinem wortun,   wili mih dinu speru werpan.
  pist also gialtet man,   so du ewin inwit fortos.
  dat sagetun mi   seolidante
  westar ubar wentilseo,   dat inan wic furnam:
  tot ist Hiltibrant,   Heribrantes suno".
  Hiltibrant gimahalta,   Heribrantes suno:
  "wela gisihu ih in dinem hrustim,
  dat du habes heme   herron goten,
  dat du noh bi desemo riche   reccheo ni wurti".
  "welaga nu, waltant got [quad Hiltibrant],   wewurt skihit.
  ih wallota sumaro enti wintro   sehstic ur lante,
  dar man mih eo scerita   in folc sceotantero:
  so man mir at burc enigeru   banun ni gifasta,
  nu scal mih suasat chind   suertu hauwan,
  breton mit sinu billiu,   eddo ih imo ti banin werdan.
  doh maht du nu aodlihho,   ibu dir din ellen taoc,
  in sus heremo man   hrusti giwinnan,
  rauba birahanen,   ibu du dar enic reht habes".
  "der si doh nu argosto [quad Hiltibrant]   ostarliuto,
  der dir nu wiges warne,   nu dih es so wel lustit,
  gudea gimeinun:   niuse de motti,
  hwerdar sih hiutu   dero hregilo rumen muotti,
  erdo desero brunnono   bedero uualtan".
  do lettun se ærist   asckim scritan,
  scarpen scurim:   dat in dem sciltim stont.
  do stoptun to samane   staim bort chludun,
  heuwun harmlicco   huitte scilti,
  unti imo iro lintun luttilo wurtun,
  giwigan miti wabnum   ...............
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hochdeutsche Übersetzung:

   Ich hörte das sagen,  
   daß sich Herausforderer einzeln abmühten:  
   Hildebrand und Hadubrand zwischen zwei Heeren.
   Sohn und Vater bereiteten ihre Rüstung,
   richteten ihre Kampfgewänder, gürteten sich ihre Schwerter um,
   die Helden, über die Rüstung, als sie zu dem Kampf ritten.       
   Hildebrand sagte, Heribrands Sohn, er war der ältere Mann,
   des Lebens erfahrener, er begann zu fragen,
   mit wenigen Worten, wer sein Vater gewesen sei  
   unter den Menschen im Volke... 
   "...oder aus welchem Volke du bist     
   wenn Du mir einen nennst, kenne ich die anderen
   Menschen im Reich, bekannt ist mir die ganze Menschheit".      
   Hadubrand sagte, Hildebrands Sohn:
   "Das sagten mir unsere Leute,  
   alte und weise, die früher schon da lebten,    
   daß Hildebrand mein Vater heiße, ich heiße Hadubrand.  
   Vormals ist er nach Osten geritten, er  floh den Zorn Odoakers,
   dorthin mit Dietrich und vielen seiner Kämpfer.
   Er ließ im Lande arm zurück    
   die Frau in der Hütte und den unerwachsenen Sohn       
   erblos: Er ritt nach Osten hin.
   Deswegen erlitt seither Dietrich die Abwesenheit       
   meines Vaters: Der war ein so freundloser Mann.
   Er zürnte Odoaker unmäßig,     
   der liebste der Kämpfer Dietrichs.     
   Er war immer an der Spitze des Heeres, ihm war immer der Kampf zu lieb,
   Bekannt war er...den Tapfersten.       
   Ich glaube nicht, daß er noch lebt..." 
   "Weißt Du Gott", sprach Hildebrand, "oben vom Himmel,
   daß du niemals solchermaßen verwandte Männer   
   in eine Angelegenheit hast geraten lassen!"
   Er wand sich dann von den Armen gewundene Ringe ab,    
   aus kaiserlichem Gold gemacht, wie sie ihm der König gab,      
   der Herrscher der Hunnen. "Das gebe ich dir nun aus Freundschaft!"
   Hadubrant, Hildebrands Sohn, sagte:
   "Mit dem Speer soll man Geschenke annehmen,    
   Spitze gegen Spitze!
   Du dünkst dich, alter Hunne, unmäßig schlau.   
   Verlockst mich mit deinen Worten, willst deinen Speer nach mir werfen.
   Du bist ein so alter Mann, wie du ewig Betrug im Sinn hast.    
   Das sagten mir Seeleute,
   westlich über dem Ozean, daß ihn ein Kampf hinnahm:    
   Tot ist Hildebrand, Heribrands Sohn!"
   Hildebrand, Heribrands Sohn, sagte:
   "Wohl sehe ich an deiner Rüstung,      
   daß du daheim einen guten Herrn hast,
   daß du in diesem Reich noch nie vertrieben wurdest.    
   Wohlan, nun walte Gott, sagte Hildebrand, Unheil geschieht:    
   Ich wanderte 60 Sommer und Winter außer Landes;
   wo man mich immer in das Heer der Kämpfer einordnete.  
   Wenn man mir an jedweder Burg den Tod nicht beibringen konnte:
   Nun soll mich das eigene Kind mit dem Schwerte schlagen,       
   niederschmettern mit der Klinge, oder aber ich werde ihm zum Töter.
   Du kannst wohl leicht -wenn deine Kraft (dir) ausreicht-       
   von einem so alten Mann eine Rüstung gewinnen, 
   Beute rauben, wenn Du da irgendein Recht hast.
   Der sei doch nun der feigste, sagte Hildebrand, von den Ostleuten,
   der dir nun den Kampf verweigerte, wo es dich doch so sehr gelüstet,
   nach gemeinsamem Kampf; (nun) versuche wer mag,
   wer von beiden heute das Gewand lassen muß     
   und dieser Brünnen beider walten (wird)."
   Dann ließen sie zuerst die Eschenlanzen bersten
   in scharfem Kampf, daß sie in den Schilden steckten.   
   Da ritten sie gegeneinander, spalteten farbige Schilde,
   schlugen gefährlich auf weiße Schilde, 
   bis ihnen ihre Lindenschilde zu Bruch gingen,
   zerstört von den Waffen...



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