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Helvetismus

Als Helvetismus (lat. Helvetia - Schweiz und -ismus) bezeichnet man

  1. jede sprachliche Besonderheit, die typischerweise in der Schweiz und nicht im gesamten deutschen Sprachgebiet verwendet wird und
  2. Wörter, die ursprünglich aus dem Deutschschweizer Sprachgebiet stammen. In diesem Fall wird der Begriff analog zu Wörtern wie zum Beispiel Anglizismus verwendet.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den ersten Fall.

Die in Lexika und Wörterbüchern festgehaltenen Helvetismen sind Bestandteil der Schweizer Standardsprache und nicht der Dialekte, es sei denn sie seien ausdrücklich als mundartlich markiert.

Häufig wird der Begriff Helvetismus nur auf abweichenden Wortschatz angewendet, man kann damit aber auch phonetische, grammatische und orthographische Besonderheiten bezeichnen.

Analog zu Helvetismen kann man auch von Austriazismen und Teutonismen sprechen, welche die jeweiligen nationalen Varietäten prägen.

Table of contents
1 Wortschatz
2 Aussprache
3 Orthographie
4 Grammatik
5 Siehe auch
6 Weblinks

Wortschatz

Helvetismen können etwas bezeichnen, für das es keinen gemeindeutschen Ausdruck gibt, neben einem gemeindeutschen Wort verwendet werden oder ein solches ersetzen. Einige Wörter haben neben einer Grundbedeutung eine schweizerische Zusatzbedeutung. Auch der umgekehrte Fall existiert. So bezeichnet Paprika in der Schweiz nur ein Gewürz. Das Gemüse wird ausschließlich Peperoni genannt. Viele Helvetismen bezeichnen Objekte und Geschehnisse aus dem Schweizer Alltag, ein großer Teil davon bezieht sich auf politische Gegebenheiten oder das Militär.

anderes Wort

(anstelle oder neben einem gemeindeutschen Wort gebraucht)

andere Zusatzbedeutung

im übrigen Sprachgebiet (oder Teilen davon) veraltet

Gastronomie

Älplermagronen, Basler Leckerli, Glace (Eis), Gnagi, Käsekuchen (rezenter Kuchen mit Käsebelag - der deutsche Käsekuchen heisst in der Schweiz Quarktorte), Metzgete (Schlachtplatte),
Müesli, Rösti, Zeltli/Täfeli (mundartlich für Bonbons), Baumnuss (Walnuss)

Politik, Militär

Ammann (Bürgermeister), Auditor (Ankläger bei Militärgericht), Eidgenossenschaft, Landammann (Regierungschef eines Kantons), Landsgemeinde, mehren (abstimmen durch Handerheben), Nationalrat (Parlamentsabgeordneter), Vernehmlassung.

Aussprache

In der Schweiz werden einige Wörter auf anderen Silben betont als im restlichen deutschsprachigen Raum, meistens auf der ersten (oder sogar auf der nullten, z.B. bei Namen mit von, z.B. Michael von Grünigen wird Michael 'Vongrünigen ausgesprochen). Als Buchstaben gesprochene Abkürzungen (wie zum Beispiel CD, WC etc. werden nicht auf dem letzten, sondern auf dem ersten Buchstaben betont (also 'CeDe, und 'WeZe).

Ein Beispiel für einen anders gesprochenen Einzellaut ist das Wort Advent, das mit [f] statt mit [v]gesprochen wird.

Orthographie

Die Orthographie unterscheidet sich am deutlichsten vom übrigen Sprachgebiet durch das Fehlen des Eszett. Auch nach langem Vokal oder Diphtong wird Doppel-s geschrieben, also zum Beispiel ausser, bloss oder reissen. Es gibt aber auch einzelne Unterschiede wie z.B. Bretzel statt Brezel.

Ebenso werden in der Schweiz französische und italienische Lehnwörter auch nach der Rechtschreibreform in der französischen resp. italienischen Form geschrieben, z.B. Mayonnaise oder Spaghetti.

Grammatik

Abweichungen existieren z.B. beim Genus (das E-Mail und das Tram statt die) oder bei der Verbvalenz (jmdn. anfragen statt bei jmdm. anfragen).

Siehe auch

Schwyzerdütsch, Österreichische Sprache, DDR-Sprache

Weblinks




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