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Gral

Der heilige Gral ist der Überlieferung nach ein wundertätiges Gefäß, eine Schale oder ein Kelch. Die Herkunft des Namens ist nicht restlos geklärt (okzitanisch grazal, altfranzösisch graal 'Gefäß, Schüssel'). Von den vielen etymologischen Erklärungsversuchen gilt heute die Herleitung von griech.-lat. crater (Mischgefäß) über mittellat cratalis/gradalis als am wahrscheinlichsten.

Er soll derjenige Kelch sein, mit dem Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert hat. Ebenso soll er derjenige Kelch sein, in welchem Joseph von Arimathäa das Blut Christi am Kreuz aufgefangen hat.

Der Gral taucht in der europäischen Dichtung kurz vor 1200 n. Chr. urplötzlich auf. Die älteste bekannte Quelle dafür ist der 'Perceval'-Roman (auch Le conte du Graal) von Chrétien de Troyes um 1180. Bei Chrétien ist der Gral eine mit kostbaren Edelsteinen verzierte Goldschale, in der dem Vater des Fischerkönigs in einer feierlichen Prozession eine Hostie zugetragen wird, die seine einzige Nahrung bildet.

Vermutlich etwas jünger ist die 'Estoire dou Graal' des Robert de Boron, der an die Legendenbildung um Joseph von Arimathäa und die apokryphen Evangelien anknüpft und den Gral zum Abendmahlkelch macht. In die deutschsprachige Literatur kommt das Thema durch Wolframs von Eschenbach Übersetzungsbearbeitung von Chrétiens Roman, 'Parzival'. Wolfram nennt allerdings - in möglicherweise ironischer Absicht - einen provenzalischer Dichter namens Kyot als seine Hauptquelle.

Das Gralsmotiv sowie Parzifal tauchen seitdem in der europäischen Literatur in vielerlei Variationen auf. Eine der bekanntesten ist die Oper Parsifal von Richard Wagner.

Die mythische Gralsvorstellung des Hochmittelalters setzt sich insofern ungebrochen in die Moderne fort, als bis heute zahlreiche Versuche unternommen werden, seine Geschichte (nicht als literarisches Motiv, sondern als historisch-übernatürliche Realität, als wahrer Gegenstand) aufzudecken. Die Gralssuche, der jedes Jahr ernstgemeinte Bücher gewidmet werden, ist somit ein irrationales Signum der gegenaufklärerischen, esoterischen Strömung der Moderne.

Eine solche neuzeitliche Interpretation deutet das französische "San Greal" als bewusst verschlüsseltes "Sang real", also als "königliches Blut", was einen Hinweis geben soll auf die angebliche Blutslinie von Jesus. Laut dieser Theorie soll Maria Magdalena die Frau von Jesus gewesen sein und Nachkommen zur Welt gebracht haben. Da Maria Magdalena ihren Lebensabend in Südfrankreich verbracht habe, wird versucht, eine Verbindung des merowingischen Königshauses mit dem Haus David bzw. Jesus zu beweisen.

Ebenso werden die Templer in Verbindung mit dem Heiligen Gral genannt. Sie sollen zumindest eine Zeit lang im Besitz desselben gewesen sein.

Literatur




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