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Geschichte Thüringens

Das Land Thüringen hat eine sehr lange Geschichte. Es ist benannt nach einem germanischen Stamm der "Thüringer" ("jene, die Thor verehren", die schon im 4. Jahrhundert das Land besiedelten. Im Laufe der Geschichte zerfiel es in zahlreiche Herrschaften, die sich immer wieder veränderten.

Table of contents
1 Königreich Thüringen
2 Frühes Mittelalter
3 Landgrafschaft Thüringen
4 Reformationszeit
5 17. und 18. Jahrhundert
6 19. Jahrhundert
7 20. Jahrhundert

Königreich Thüringen

Das Königreich Thüringen existierte etwa von Christi Geburt bis zur Zerschlagung durch die Franken und Sachsen im Jahre 531. Es geht insbesondere auf den germanischen Stamm der Hermunduren (Ermunduren) (Duringer = Thüringer) zurück. Die Quellen sind spärlich, genau zu datieren ist nur das Ende.

Um 100 v. Chr wandern Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein und vertreiben bzw. vermischen sich mit Kelten.
3 n. Chr. vereinigt Markomannenfürst Marbod Hermunduren, Quaden, Langobarden und Semnonen in seinem Reich. 19 n. Chr. vertreibt Wibilo, König der Hermunduren, den Markomannen Katwalda, den Nachfolger Marbods, und verleibt sich so das böhmische Markomannenreich ein. Laut Tacitus (98 n. Chr.) entspringt die Elbe im Gebiet der Hermunduren.
Im 3. Jahrhundert brechen Angeln und Warnen von Norden nach Thüringen ein.
Im 4. Jahrhundert wird der Name Toringi erstmals durch Flavius Vegetius Renatus schriftlich erwähnt.
Nach dem Hunneneinfall und ihrem Abzug im Jahre 452 kann König Bisinos (Bisinus) einen riesigen Machtbereich kontollieren. Sein Reich erstreckt sich nach Süden über den Main hinaus. Bisinos residiert in der Bisinesburg (Bösenburg, Saalkreis).

Um 500 heiratet Bisinos' Sohn Herminafried (Ermanfried, Hermenefred) die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgoten Theoderich.
526 stirbt Theoderich. Das Thüringische Reich verliert den gotischen Schutz, die Franken planen den Krieg.
531 ist das Ende des Reiches gekommen - in der Schlacht bei Burgscheidungen an der Unstrut besiegen die merowingischen Franken mit den verbündeten Sachsen die Thüringer. Durch Flucht, Deportation und Mord (Herminafried 534 in Zülpich) fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Das Reich wird zerschlagen, bleibt aber eine Verwaltungseinheit. Der Norden nördlich des Harzes geht an die Sachsen, der Süden an die Franken.

594 wird ein Aufstand der Warnen von den Franken niedergeschlagen.

Thüringische Könige

Literatur

Frühes Mittelalter

Um 620 richteten die Merowinger in Thüringen ein Herzogtum unter der Herrschaft des Herzogs Radulf ein. Über ihn und seine Nachfolger (Heden I, Heden II) ist fast nichts bekannt. Unklar ist, ob es sich bei Radulf um einen Herzog Hruodi handelt, der etwa zeitgleich in der Würzburger Gegend herrschte. Das Herzogtum bestand bis ins späte 7. Jahrhundert.

Landgrafschaft Thüringen

An der Hauptverkehrsstraße, der Via Regia, bildete sich die Thüringer Städteachse mit den Orten Eisenach, Gotha, Erfurt und Buttelstedt. Um 1800 verschob sich die Verkehrsachse auf die Städte Eisenach, Gotha, Erfurt und Weimar sowie Jena und Gera.

1067 erbaut Ludwig der Springer, ein Graf aus dem Geschlecht der Ludowinger, die Wartburg. Seine Nachkommen erhalten 1130 die Würde eines Landgrafen von Thüringen. Die Thüringer Landgrafen waren:

  1. 1130-1140 Ludwig I
  2. 1140-1172 Ludwig II, der Eiserne
  3. 1172-1190 Ludwig III, der Milde oder der Fromme
  4. 1190-1217 Hermann I
  5. 1217-1227 Ludwig IV, der Heilige
  6. 1227-1241 Hermann II
  7. 1241-1247 Heinrich Raspe

Durch sie wird die Wartburg im 12 und 13. Jahrhundert ein Zentrum deutscher Kultur. Bekannt sind der Sängerkrieg (1207) und das Wirken der heiligen Elisabeth (1204-1236).
Der letzte Ludowinger, Heinrich Raspe, versucht 1246 die deutsche Königskrone zu erlangen, stirbt jedoch ein Jahr später. Das Land fällt zum Großteil an den Wettiner Heinrich den Erlauchten, der Westteil des ehem. ludowingischen Herrschaftsgebietes, die durch Heirat zur thüringischen Landgrafschaft hinzugekommenen hessischen Grafschaften, erlangen wieder ihre Unabhängigkeit 1264 und bilden die Landgrafschaft Hessen.
Bis 1423 führen die Wettiner den Titel "Landgraf von Thüringen", dann werden die Markgrafschaft Meißen und die Landgrafschaft Thüringen mit Sachsen-Wittenberg zum Kurfürstentum Sachsen vereinigt.

Reformationszeit

1485 kommt es zur Teilung der wettinischen Lande zwischen dem Albertinern und den Ernestinern, wobei der Hauptteil von Thüringen an letztere fällt. Ihr Gebiet wird später in eine Vielzahl von Zwergstaaten aufgesplittert. Der Norden Thüringens verbleibt bei den Albertinern und damit beim Kurfürstentum Sachsen.

Während der Reformation spielt Thüringen eine bedeutende Rolle. Martin Luther hält sich 1521/22 auf der Wartburg versteckt und übersetzt dort das Neue Testament ins Deutsche.
1525 ist Thüringen neben Südwestdeutschland ein Zentrum des Deutschen Bauernkrieges. Bei Bad Frankenhausen kommt es am 15. Mai 1525 zu einer von dessen bedeutendsten Schlachten, wenige Tage später wird Thomas Müntzer in Mühlhausen aufgegriffen und hingerichtet.

Den Hauptanteil am heutigen Gebiet des Freistaates Thüringen hatten die Ludowinger und später die Wettiner, sowie die Fürsten von Schwarzburg und die Fürsten Reuß. Der Name Thüringen war spätestens seit dem Mittelalter nicht mehr als Landesbezeichnung vertreten. Mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 bestanden noch etwa 20 Herrschafsgebiete. Einen nicht unerheblicher Teil Thüringens gelangte seinerzeit auch an Preußen.

17. und 18. Jahrhundert

Die zerfallenen ernestinischen Gebiete (Ernestinische Herzogtümer) waren zeitweise in bis zu zehn Einzelstaaten aufgespalten, davon hatte im 17. Jahrhundert Sachsen-Gotha (mit Ernst dem Frommen), im 18. Jahrhundert Sachsen-Weimar-Eisenach die Vorherrschaft. Um 1800 wurde Weimar durch Herzogin Anna Amalia und Herzog Karl August ein Zentrum der deutschen Kultur, hier wirkten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller.

19. Jahrhundert

Nach dem Wiener Kongress 1815 bestanden in Thüringen neben Preußen und mehreren Exklaven anderer Staaten insgesamt 12 unabhängige Staaten, die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts auf acht reduzierten. Die sächsischen Herzogtümer sowie die reußischen und schwarzburgischen Staaten wurden zusammenfassend als Thüringische Staaten bezeichnet. Es waren dies folgende Länder:

  1. Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach
  2. Herzogtum Sachsen-Meiningen
  3. Herzogtum Sachsen-Altenburg
  4. Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha
  5. Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt
  6. Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen
  7. Fürstentum Reuß jüngere Linie
  8. Fürstentum Reuß ältere Linie

20. Jahrhundert

Die acht Staaten (mit Ausnahme des Gebietes um Coburg, das sich Bayern anschloss) wurden im Zuge der Novemberrevolution von 1918 Republiken und vereinigten sich am 1. Mai 1920 zum Freistaat Thüringen. Hauptstadt wurde Weimar. Der Staat erhielt am 11. Februar 1921 eine Verfassung.

Vom 6. Februar bis 30. September 1919 tagt in Weimar die verfassunggebende Nationalversammlung. Sie verabschiedet am 11. August die so genannte "Weimarer Verfassung", nach der die bis 1933 bestehende deutsche Republik die Bezeichnung "Weimarer Republik" erhält. Auch in Thüringen ist die Zeit der Weimarer Republik von politischen Wirren geprägt. Schon 1932 kann die NSDAP in Thüringen die Regierung bilden. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers wird Weimar zur Gauhauptstadt ausgebaut, das so genannte "Gauforum" existiert noch heute. Außerdem werden in Thüringen die Konzentrationslager Buchenwald und Dora-Mittelbau errichtet.
Am 1. April 1944 wird der zur preußischen Provinz Sachsen gehörige Regierungsbezirk Erfurt sowie der zur preußischen Provinz Hessen-Nassau gehörige Kreis Schmalkalden mit dem Land Thüringen vereinigt.

Nach dem 2. Weltkrieg wird das Gebiet zunächst amerikanisch, dann ab 2. Juli 1945 sowjetisch besetzt und es folgen dann einige Grenzbereinigungen zwischen Hessen und Thüringen bzw. zwischen der amerikanischen und sowjetischen Besatzungszone. 1946 erhält das Land Thüringen wieder eine Verfassung und 1948 wird der Regierungssitz von Weimar nach Erfurt verlegt. Ein Jahr später wird Thüringen Teil der DDR, aber schon 1952 wird das Land aufgelöst. Fortan bestanden die Bezirke Erfurt, Gera und Suhl. Mit der Wiedervereinigung 1990 wird das Land Thüringen wieder gegründet und ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Auf einer Sitzung auf der Wartburg am 25. Oktober 1993 verabschiedet der Thüringer Landtag eine neue Verfassung, die am 16. Oktober 1994 durch eine Volksabstimmung angenommen wird. Ministerpräsidenten waren 1990 bis 1992 Josef Duchac, 1992 bis 2003 Bernhard Vogel und seit 2003 Dieter Althaus.

Verwaltungsgliederung des Landes Thüringen bis 1944

Stadtkreise
  1. Stadtkreis Altenburg
  2. Stadtkreis Apolda
  3. Stadtkreis Arnstadt
  4. Stadtkreis Eisenach
  5. Stadtkreis Gera
  6. Stadtkreis Gotha
  7. Stadtkreis Greiz
  8. Stadtkreis Jena
  9. Stadtkreis Weimar

Landkreise
  1. Landkreis Altenburg
  2. Landkreis Arnstadt
  3. Landkreis Eisenach
  4. Landkreis Gera
  5. Landkreis Gotha
  6. Landkreis Greiz
  7. Landkreis Hildburghausen
  8. Landkreis Meiningen
  9. Landkreis Rudolstadt
  10. Landkreis Saalfeld
  11. Landkreis Schleiz
  12. Landkreis Sondershausen
  13. Landkreis Sonneberg
  14. Landkreis Stadtroda
  15. Landkreis Weimar

Verwaltungsgliederung des Regierungsbezirks Erfurt (bis 1944 preußische Provinz Sachsen)

Stadtkreise:
  1. Stadtkreis Erfurt
  2. Stadtkreis Mühlhausen
  3. Stadtkreis Nordhausen

Landkreise:
  1. Landkreis Grafschaft Hohenstein (in Nordhausen)
  2. Landkreis Heiligenstadt
  3. Landkreis Langensalza
  4. Landkreis Mühlhausen
  5. Landkreis Schleusingen (in Suhl)
  6. Landkreis Weißensee
  7. Landkreis Worbis
  8. Landkreis Ziegenrück

Ferner ab 1944 bei Thüringen:
  1. Landkreis Schmalkalden (bisher zur preußischen Provinz Hessen-Nassau)

Die Ministerpräsidenten von Thüringen: Zwischen 1952 und 1990 war das Land Thüringen aufgelöst.



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