Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube
Das Thema Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube ist ein Teilgebiet der weltanschaulichen Auseinandersetzung zwischen moderner Naturforschung und religiöser Weltdeutung. Da die Evolutionstheorie im jüdisch-christlich geprägten Kulturraum entstand, wird die religiöse Position in der Regel auf der Grundlage der Bibel formuliert.Die Gegensätze zwischen beiden Modellen der Weltentstehung sind im Wesentlichen folgende:
- Das gesamte Dasein entstand in sechs Tagen und war am siebten vollendet (Sch). - Das Universum begann vor mehreren Milliarden Jahren und ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht "fertig" (Ev).
- Alle Arten von Lebewesen entstanden so, wie sie jetzt sind, unmittelbar aus dem Schöpfungswillen Gottes (Sch). - Das Spektrum der Arten hat sich in einem langen Entwicklungsprozess durch Fortpflanzung der Überlegenen und Aussterben der schlechter Angepassten aufgefächert. Komplexere Formen stammen von primitiveren ab. Hinter dem allgemeinen Gesetz ist kein "Wille" erkennbar (Ev).
- Der Mensch ist Gott ebenbildlich und "Krone der Schöpfung" (Sch). - Der heutige Mensch ist ein Zwischenergebnis der Evolution, nicht ihr Abschluss. Er war bisher beispiellos erfolgreich, doch kann sein Erfolgsmodell kippen. Es kann aber auch in eine neue, selbstgesteuerte Evolutionsphase übergehen (Ev).
Andererseits rufen populär vereinfachte Evolutionsmodelle bei vielen die Ansicht hervor, alle Fragen seien damit beantwortet oder beantwortbar und der Schöpfungsglaube eine überholte Bewusstseinsstufe der Menschheit.
Bibelwissenschaftler weisen demgegenüber seit langem darauf hin, dass die Bibel nicht nur eine, sondern zwei Schöpfungserzählungen überliefert, die auf der Faktenebene nicht harmonisierbar sind (s. Schöpfung, Abschnitt "Christentum"). Entstehungszeiträume und -reihenfolgen sind für diese Deutung offenbar unerheblich. Zudem wird die am siebten Tag vollendete Schöpfung gleichwohl als fortwährend vom "Schöpferhauch" Gottes durchwaltet beschrieben (z.B. Psalm 104).
Viele Evolutionsforscher andererseits geben ohne Umschweife zu, dass die Lückenlosigkeit der von ihnen gefundenen Gesetze keineswegs befriedigend erklärt, was eigentlich Organisation, Leben und Bewusstsein ist und welche die letzten Bedingungen für den Evolutionsprozess und seine Einzelschritte sind, auf die wir wie auf eine Selbstverständlichkeit zurückschauen.
Die Annahme eines höchst komplexen und im Einzelnen und Ganzen staunenswerten Evolutionsvorgangs einerseits und der Glaube an einen Gott, der die Innenseite und Triebkraft dieses Werdens ist, schließen einander nach heute vorherrschendem christlichen Konsens nicht aus.
siehe auch Pierre Teilhard de Chardin






