Entwicklungstheorie
Die
Entwicklungstheorie betreibt die systematische Analyse der Probleme in/von
Volkswirtschaften der
Entwicklungsländer. Das wirtschaftswissenschaftliche Instrumentarium wird angewandt. Die Besonderheiten der Entwicklungsländer werden jedoch berücksichtigt. Im Gegensatz zur Entwicklungspolitik geht es der ET um Ursachenanalyse.
Systematische Untergliederung
Oft werden Entwicklungstheorien nach folgenden Typen klassifiziert:
- Nichtökonomische Theorien
Nichtökonomische Entwicklungstheorien betonen die Existenz nichtökonomischer Faktoren, welche die Entwicklung fördern oder hemmen, z.B. religiöse (siehe protestantische Ethik), kulturelle oder ethnische Prädispositionen.
- Wirtschaftsstufentheorien
- Dualismustheorien
Es wird von der Existenz zweier wirtschaftlicher Sektoren ausgegangen.
In der Spielart der Dependenztheorie (Raul Prebisch) sind die beiden Sektoren Zentrum und Peripherie voneinander abhängig - wobei das Zentrum (d.h. die Industrieländer und die Eliten der Entwicklungsländer) von der Unterentwicklung der Peripherie (d.h. der Entwicklungsländer und gesellschaftlicher Randgruppen) profitiert. Eine autonome wirtschaftliche Entwicklung der benachteiligten Länder werde durch die bestehenden Export-Import-Strukturen verhindert. Prebisch und seine Nachfolger empfehlen daher eine Abkopplung der Entwicklugsländer von der Weltwirtschaft.
- Theorien des strukturellen Wandels
- Theorien des sektoralen Wachstums
- Gleichgewichtiges Wachstum
In der Theorie des ausgewogenen/gleichgewichtigen Wachstums wird angenommen, dass Unterentwicklung auf einem
Teufelskreis unzureichender Investitionsnachfrage beruht. Geringe Absatzchancen (Marktenge) bedingen eine geringe Investitionsbereitschaft der
Unternehmer. Ihre Ersparnisse würden nicht in produktive Investitionen überführt, was wiederum zu geringerem Einkommen und damit wieder zu geringeren Absatzchancen führe.
Der Theorie entsprechend kann diese Marktenge nur durch ein Bündel abgestimmter, komplementärer und über die gesamte Wirtschaft verteilte Investitionsvorhaben überwunden werden. In verschiedenen Sektorenen getätigte Investitionen schafften eine sich wechselseitig Nachfrage (SAYsches Theorem).
- Theorien der zirkulären Verursachung
- Ökonomisch-Demographische Theorien
- Außenwirtschafts-Theorien
Quelle: Ökonomie der Entwicklungsländer, Wagner, N./Kaiser, M., Stuttgart 1995
Entwicklungsindikatoren
Ein Hauptteil entwicklungstheoretischer Arbeit ist die Messung des Entwicklungsstandes eines Landes oder einer Region. Die so genannten Entwicklungsindikatoren sind der Versuch, aus der Messung einzelner Aspekte Rückschlüsse auf die tatsächliche Entwicklung zu ziehen. Man unterscheidet (nicht abschließende Liste):
- wirtschaftliche Entwicklungsindikatoren: Pro-Kopf-Einkommen, BSP, BIP
- soziale Entwicklungsindikatoren: Human Development Index (HDI), Alphabetisierungsrate, Kindersterblichkeit, Durchschnittsalter
- kulturelle Entwicklungsindikatoren
- politische Entwicklungsindikatoren: Staatsform (z.B. Demokratie, Monarchie, Militärdiktatur)