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Entnazifizierung

Die so genannte Entnazifizierung war eine Initiative der Alliierten, die, nach ihrem Sieg über das Dritte Reich Mitte 1945 und bekräftigt durch den Beschluss des Potsdamer Abkommens, eine Säuberung der deutschen und österreichischen Gesellschaft, Kultur, Presse, Ökonomie, Jurisdiktion und Politik von allen nationalsozialistischen Personen und Organisationen anstrebte.

Der Alliierte Kontrollrat in Berlin verabschiedete ab Januar 1946 eine Vielzahl an Entnazifizierungsdirektiven, mittels denen man bestimmte Personengruppen definierte und anschließend einer gerichtlichen Verhandlung zuführte.

Umsetzung in den einzelnen Besatzungszonen

Die Entnazifizierung wurde entgegen den Beschlüssen von Potsdam in den einzelnen Besatzungszonen mit unterschiedlicher Härte und verschiedenen Grundschemata durchgesetzt.

Amerikanische Zone

Die Amerikaner betrieben in ihrer Besatzungszone zunächst eine engagierte, aber auch sehr bürokratische Entnazifizierung. In 545 regional zuständigen Laiengerichten, den so genannten Spruchkammern, wurde unter Aufsicht der amerikanischen Militärregierung über mehr als 900.000 Fälle individuell zu Gericht gesessen.

Im Laufe des Jahres 1948 ließ das Interesse der Amerikaner an einer konsequenten Entnazifizierung spürbar nach, da der Kalte Krieg mit dem Ostblock mehr und mehr in das Blickfeld rückte. Es wurden, um die Sache zum Abschluss zu bringen, Schnellverfahren eingeführt. Dies führte zu vielen fragwürdigen Urteilen.

Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ)

Die Entnazifierung in der Sowjetischen Besatzungszone war mit einem grundlegenden sozialistischen Umbau verbunden und wurde am schnellsten und radikalsten durchgeführt.

Funktionsträger der NSDAP und ihrer Organisationen wurden irreversibel aus Ämtern entfernt und teilweise in Lagern interniert. Jedoch auch viele Gegner des Systemwechsels (Sozialdemokraten, Konservative, Liberale) wurden auf diese Weise mundtot gemacht. Die Gesamtaufsicht für die Entnazifizierung in der SBZ lag direkt beim sowjetischen Geheimdienst. Schnell wurde erkannt, dass Nazis in den westlichen Besatzungszonen weniger zu befürchten hatten. Die meisten setzten sich bis in die 50er Jahre in den Westen ab.

Eine Reihe hoher Wehrmachtsoffiziere wurden später allerdings ohne Ansehen ihrer Vergangenheit zum Aufbau der Nationalen Volksarmee herangezogen und gelangten dort, ähnlich wie viele ihrer "Kollegen" in der westdeutschen Bundeswehr, in höchste Führungspositionen.

Französische und britische Zone

Franzosen und Briten legten im Gegensatz zu den Amerikanern in ihren Zonen eine gemäßigtere Gangart an den Tag. Eine Entnazifizierung fand hier nur in sehr begrenztem Umfang statt und konzentrierte sich hauptsächlich auf die schnelle Auswechslung der Eliten.

Siehe auch: Re-Edukation, Thomas Dehler, Nürnberger Prozesse

Weblinks




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