EDV-Beschaffung
Münchner Fenstersturz - Microsoft hatte sich noch mal aus dem Fenster gelehnt und der Stadt München einen zusätzlichen Sonderrabatt von 7 Mio. Euro gewähren wollen, doch die regierende Koalition von SPD und Grünen lehnte ab. So entschied sich München am 28. Mai 2003 als erste deutsche Großstadt (mehr als 1,2 Mio. Einwohner!) für Linux als zukünftiges Betriebssystem für ihre 14 107 städtischen Computer. In den USA soll Microsoft großen Firmen und Kommunen noch höhere Preisnachlässe angeboten haben, bis hin zu kostenloser Lieferung, um Kunden nicht zu verlieren. Die EU-Kommission prüft, ob dieses Marktverhalten gegen das Wettbewerbsrecht verstößt.Der erste und zweite Prager Fenstersturz hat böse Kriege eingeleitet und Geschichte gemacht, der Münchner Fenstersturz könnte jedoch einen langen Konflikt beenden helfen. Es häufen sich in letzter Zeit Bedenken über die derzeit vorherrschende Monopolstellung von Windows und die Geschäftspraktiken von Microsoft. Der Softwarehersteller liefert zwar tatsächlich eine große Menge an Software aus, verursacht jedoch auch die meisten Schlagzeilen aufgrund mangelnder Sicherheit und Unabhängigkeit.
Vom Open Source Betriebssystem Linux verspricht man sich nicht nur weit weniger Anschaffungskosten, es verbessert auch die tatsächliche Unabhängigkeit einer demokratischen, politischen und kommunalen Struktur, im Gegensatz zu einem einzelnen und exklusiven Systemanbieter. Diese Entscheidung könnte auch für andere Gemeinden, für Länder und Privatfirmen eine Signalwirkung haben. Sie ist keinesfalls als Kampfansage an Microsoft oder Windows zu deuten, vielmehr als Wunsch, auch in Zukunft frei und unabhängig von einzelnen Lieferanten zu sein. Auch Linux-Distributionen wie SuSE sind nicht kostenlos - es wird tausende von Arbeitsstunden kosten, bis alles so läuft, wie man es sich erhofft. Und es ist auch zu hoffen, dass diese Entscheidung dringend erwartete neue Arbeitsplätze in der bayrischen Hauptstadt schafft, und wenn dieses Beispiel Schule machen sollte, auch anderswo.
Linux und linuxkompatible Applikationen werden zunächst Zeit für Einarbeitung und Umschulung benötigen, doch sobald alle Umstellungen und Anpassungen vollbracht sind, und die Mitarbeiter mit der neuen Software vertraut sind, kann man selbst über die Nutzung der eigenen Infrastruktur bestimmen, und muß nicht alles in Kauf nehmen muss, was aus Redmond kommt.
Sollte Microsoft aus seiner Niederlage die richtigen Schlüsse ziehen, und zu besseren Lösungen finden, wäre dies im Interesse aller Beteiligter.
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