Das Parfüm
Das Parfum ist der Titel eines Romans von Patrick Süskind (* 26. März 1949). Der Untertitel lautet: Die Geschichte eines Mörders. Der Roman erschienen 1985 (Zürich: Diogenes-Verlag), ca. 319 Seiten.Der Untertitel ist Programm; es handelt sich auf der Oberfläche um einen Krimi. Der Protagonist Jean-Baptiste Grenouille (Der Nachname heißt auf französisch Frosch) wird 1738 in Paris geboren; dorthin kehrt er zum Ende seines Lebens etwa dreißig Jahre später zurück und beendet sein Leben auf eigenwillige Weise durch Selbsttötung. Der Roman umfasst diese Zeitspanne und schildert die "Karriere" von Grenouille als Parfümeur, legt dar, warum er meint, über 20 junge Mädchen ermorden zu müssen, und sorgt dabei für ausgesprochen spannende Unterhaltung.
Das Buch ist aber noch viel mehr: Indem Süskind seinen Helden alle möglichen Stationen durchlaufen lässt, bei denen er andere Menschen trifft und mit der bürgerlichen Gesellschaft in allen ihren Varianten konfrontiert wird, schafft er nicht nur eine hübsche Parodie eines Entwicklungsromans und unternimmt nebenher auch die x-te Wiederbelebung des schönen alten Themas vom jungen Genie und alten Meister (man denke an Siegfried und Mime in Wagners "Der Ring des Nibelungen").
Vor allem entwickelt Süskind durch die Kontrastierung seines genialen Helden Grenouille gegen die übrige Welt eine ebenso amüsant zu lesende wie beißende Kritik der Doppelmoral und Verlogenheit des modernen Bürgertums. Das Buch interessiert sich mitnichten für die Zustände im vorrevolutionären Frankreich, es ist in erster Linie eine Satire auf die westlichen Gesellschaften von heute.
Dafür ein Beispiel: Grenouille trifft nach langem Vegetieren in einer Höhle auf den Marquis de la Taillade-Espinasse. Dieser fühlt sich als Forscher, und er hat sich einer einzigen Theorie verschrieben, der des "letalen Fluidums". Danach ist der Aufenthalt in Erdnähe und der Verzehr erdnaher Produkte für den Menschen schädlich oder gar tödlich, während der erdferne Aufenthalt gesund machen soll. Nach sieben Jahren Aufenthalt tief in einer Berghöhle ist Grenouille sicher kein sonderlich appetitlicher Anblick, aber allein die Tatsache, dass er diesen Aufenthalt überlebt hat, reicht als Widerlegung der eh recht abstrusen Theorie des Marquis aus. Süskind hingegen, der vielleicht zu lange Universitäten von innen gesehen hat, beschreibt wie der Marquis ausgerechnet Grenouille zum größten Beleg für die Richtigkeit seiner Theorie aufbaut. Ergebnis dieser Kapitel: Eine glänzende Wissenschaftssatire, und doch nur ein kleiner Abschnitt in diesem lesenswerten Buch.
Der sehr medienscheue Autor Patrick Süskind zögerte lange, die Filmrechte für Das Parfüm zu verkaufen. Diese Thematik wird in Helmut Dietls Film Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief (1997), bei dem Süskind auch als Co-Autor beteiligt war, aufgegriffen.
Im Jahr 2000 wurden die exklusiven Filmrechte an dem Roman für ca. 5-10 Millionen Euro an Bernd Eichingers Produktionsfirma Constantin Film verkauft. Die Verfilmung soll unter der Regie von Ridley Scott stattfinden.






