Bibelübersetzung
Die meisten Menschen können die Bibel nicht im hebräischen oder griechischen Originaltext lesen, sondern müssen auf eine Bibelübersetzung zurückgreifen.
Zu größerer Bibelverbreitung im Volk kam es durch die Übersetzungen von Luther und Zwingli 1522-1534 sowie den Buchdruck. Die Lutherbibel war auch für die Kirchenmusik (Joh. Seb. Bach) und für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache wichtig.
Einige Bibelübersetzungen versuchen, den hebräischen und griechischen Text möglichst getreu in seiner Satzstruktur und Wortwahl ins Deutsche zu übertragen. Der Vorteil dieser Methode ist, dem Leser einen relativ guten Eindruck vom Originaltext zu vermitteln.
Der Nachteil ist, dass sowohl Ausdrucksweise als auch Satzbau nicht leicht verständlich sind.
Gewisse Ausdrücke sind, wörtlich übersetzt, heute nicht verständlich oder werden sogar falsch verstanden (z.B. ist Talent eine Gewichtseinheit)
Eine freiere Übersetzung, die eher versucht, den Sinn des Textes zu umschreiben, wird dem gelegentlichen Leser leichter verständlich sein.
Allerdings eignet sich eine freie Übersetzung nicht, theologische Feinheiten zu diskutieren, da der Sinn des Textes vom Übersetzer schon interpretiert und umgesetzt wurde, also nicht mehr objektiv ist.
Ein Spezialfall ist die Interlinearübersetzung.
Hier steht unter dem jeweiligen Wort des Originaltextes dessen deutsche Übersetzung: (Mt 18,23 f.):
Sowohl für das alte als auch für das neue Testament der Bibel liegen eine Reihe von Handschriften vor, die sich in einigen Punkten unterscheiden.
Eine Bibelübersetzung ist daher gleichzeitig eine Auswahl einer Textversion, wobei moderne Übersetzungen unterschiedliche Ursprungstexte oft in Fußnoten kennzeichnen.
Im alten Testament sind die bedeutendsten Texte der hebräische masoretische Text und die griechische Septuaginta.
Der masoretische Text wird in protestantischen Kirchen als der verlässlichere angesehen; orthodoxe und katholische Kirchen benutzen traditionell eher die Septuaginta.
Für das neue Testament gibt es eine Vielzahl an Manuskripten, deren wichtigste (Codex Vaticanus, Codex Sinaiticus) aus dem 4. Jahrhundert stammen, und Grundlage aller traditionellen Übersetzungen sind. Die seit der Reformation dominanten Grundtextausgaben waren aber geprägt von der Textschiene des so genannten "Textus Receptus", einem Grundtext, der erstmals von Erasmus von Rotterdam herausgegeben wurde. Auf dieser Textgrundlage basierten die entscheidenden Bibelübersetzungen seit der Reformation wie z.B. die englische King-James-Version, die Lutherbibel 1545, die Zürcherbibel vor 1931 usw. und auch jetzt wieder die Schlachter-Bibel Ausgabe 2003.
Einige ältere Manuskripte haben an einigen Stellen Abweichungen, die auch theologisch bedeutsam sind. Diese veränderten Manuskripte haben die meisten Übersetzungen der Neuzeit geprägt.
Die Bibel oder Teile derselben sind seit der Reformation mehrfach in die deutsche Sprache übersetzt worden.
Hier werden nur Übersetzungen zumindest eines der Testamente, nicht aber die einzelner Bücher angegeben.
Alte Übersetzungen erleben oft Revisionen, in denen die Sprache an die sich wandelnde Umgangssprache angepasst wird, und eventuell auch neue Erkenntnisse der Ursprungstexte einfließen.
Die Übersetzungen sind nach dem Erscheinungsdatum der Erstausgabe der ersten Revision geordnet.
Soweit bekannt, werden der Ansatz zur Übersetzung sowie die zugrundeliegeden Ursprungstexte angegeben.
Die Lutherbibel ist der Klassiker unter den deutschen Bibeln und die maßgebliche Übersetzung für die Evangelischen Kirchen in Deutschland.
Die Zürcher Bibel geht auf den Reformator Huldrych Zwingli zurück und hat das Ziel, eine möglichst philologisch korrekte Übersetzung anzubieten.
Entstanden 1531 und revidiert 1907 gilt sie als etwas lesbarer als die Elberfelder Übersetzung.
Die 1996-er Revision ist noch nicht abgeschlossen.
1947 entstand eine katholische Ausgabe durch T. Schwegler, F. A. Herzog, H. Haag, Johannes Perk.
Johann Dietenberger konnte 1534 seine Übersetzung abschließen.
Nach der Revision im Jahre 1630 durch Kaspar Ulenberg spricht man von der Dietenberger/Ulenberg-Bibel.
Die Elberfelder Bibel gilt als die deutsche Übersetzung, die am nächsten am Urtext ist (Gerüchten zufolge wird sie sogar von Griechischstudenten als "Übersetzungshilfe" verwendet). Sie wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts u.a. von Carl Brockhaus und J. N. Darby übersetzt, und erschien erstmals vollständig 1871.
Neubearbeitungen erschienen 1975 und 1985.
Ziel der Übersetzung war und ist es, "den des Urtextes Unkundigen ... mit wenigen Kosten eine möglichst treue und genaue Darstellung des Wortes Gottes in ihrer eigenen Sprache darzureichen" (aus dem Vorwort der ersten Ausgabe).
Die erste Ausgabe erschien 1905 in der Übersetzung von Franz Eugen Schlachter als Miniaturbibel beim Verlag der "Miniatur-Bibel" in Biel (Kanton Bern) und für Deutschland bei Johannes Schergens in Bonn a.Rh.
Nach Schlachters Tod erfolgte seit 1911 durch die schweizer Pfarrer Linder
aus Oberhelfenswil (Kanton St. Gallen) und Kappeler aus Zollikon (Zürich) eine erste Überarbeitung. Gedruckt wurde die Bibel ab 1916 in Stuttgart bei der Privilegierten Württembergischen Bibelanstalt.
Die zweite Revision entstand 1951 durch die Genfer Bibelgesellschaft.
Die Nachfolgerin der 1951-er Schlachter-Bibel ist die "Revidierte Schlachter-Bibel 2000". Im Jahre 2003 wurde die Revision nach 7 Jahren Bearbeitungszeit abgeschlossen. Es handelt sich ebenfalls um ein Projekt der Genfer Bibelgesellschaft. Die neue revidierte Schlachterbibel benutzt den reformatorischen Grundtext als Textgrundlage.
Die Übersetzung ist sinngemäß urtextgenau, öfters sogar konkordant, aber an vielen Stellen auch dynamisch gleichwertig, so dass eine gut verständliche, sprachlich schöne und doch urtextgenaue Übersetzung entstanden ist. Seit November 2003 liegt eine Studienausgabe mit ca. 100.000 Parallelstellen, einem reichhaltigen Anhang bzw. Fußnotenapparat vor.
Die Einheitsübersetzung ist eine ökumenische Arbeit, die von katholischen und evangelischen Theologen übersetzt wurde. Sie ist recht nah am Text, aber gleichzeitig sehr gut lesbar und insbesondere auch für den liturgischen Gebrauch geeignet.
Das neue Testament wurde 1972, das alte 1980 abgeschlossen.
Die Gute Nachricht ist eine sinngemäße Übersetzung in modernes, einfaches Deutsch, das wo immer möglich auf eine biblische Sondersprache verzichtet.
Das neue Testament erschien 1968, und wurde 1971 revidiert.
1982 wurde die Übersetzung des alten Testaments abgeschlossen.
Eine Gesamtrevision kam 1997 heraus.
In der Hoffnung für Alle ist die Bibel sinngemäß in heutiges Deutsch übersetzt.
Die Revision von 2002 stellt eine Überarbeitung der Ausgaben des neuen Testaments von 1983 und des alten Testaments von 1996 dar.
Jörg Zink hat eine Übertragung in modernes Deutsch erstellt.
Das Neue Testament erschien 1966, die vollständige Bibel kam 1998 heraus.
Die Neue Genfer Bibel beabsichtigt wortgetreu, inhaltlich und sachlich genau sowie gut lesbar zu sein. Sie ist noch nicht vollständig übersetzt; ab 1988 erschienen Einzelteile des Neuen Testaments.
Die wichtigste griechische Textausgabe, der Nestle-Aland, enthält seit 1989 auch eine Interlinearübersetzung.
Die Neue-Welt-Übersetzung wurde von einem nicht namentlich genannten Team von Übersetzern der Wachturm-Gesellschaft übersetzt. Sie wird wird für theologische Zwecke fast nur von den Jehovas Zeugen genutzt und ist weltweit kostenfrei verfügbar.
Als Besonderheit gilt, dass der Name Gottes mit Jehova, nicht mit "Herr", an den Stellen angegeben wird, wo er auch im hebräischen und aramäischen Text als Name ("Tetragrammaton") zu finden ist. Zusätzlich wird er an 128 Stellen des Neuen Testaments angegeben.
Eine Übersetzung von 1949.
Hans Bruns hat die Bibel nicht nur übersetzt, sondern auch jeden kleinen Abschnitt kommentiert.
Herbert J. Jantzen hat nur seine Übersetzung der Briefe des Neuen Testamentes veröffentlicht (1999), die auf dem traditionellen Grundtext ("Mehrheitstext"), in der Ausgabe des französischen Verlegers Estienne von 1550, basiert. Die Übersetzung ist beim Schwarzkopf-Verlag erschienen. Trotz der der sehr genauen Übersetzung lässt diese sich gut lesen. Aufgrund seines Bibelstudiums war Jantzen bemüht, "die bedeutenderen Begriffe mehr oder weniger konstant wiederzugeben." Hier einige Beispiele:
Aufgrund der theologischen Ausrichtung sind jüdische Übersetzungen, die sich naturgemäß auf das alte Testament beschränken (mit Ausnahme von David H. Stern: Das jüdische Neue Testament von 1997), von Interesse.
Hier ist zuerst die 1783 (Revidiert 1820) von Moses Mendelssohn entstandene Übersetzung von Torah und Psalter zu nennen.
Die erste komplette jüdische Übersetzung ins Deutsche gab Dr. Leopold Zunz erstmals 1837 heraus.
Moderner ist die Version vom Martin Buber und Franz Rosenzweig, die 1925 erstmals herausgegeben wurde, und sowohl 1954 als auch 1979 bearbeitet wurde.
Textbeispiel zu Martin Buber, Bereschit (= Genesis, 1. Mose) 1,1f:
Ziel der Übersetzung
Bibelübersetzungen müssen, wie jede andere Übersetzung auch, die Brücke schlagen von einer fremden Sprache mit ihrer Grammatik und Ausdrucksweise zu einer heute verständlichen Sprache.
Gleichzeitig soll eine Bibelübersetzung eine korrekte theologische Auslegung erlauben; diese Forderung bedingt die Existenz konfessionell erstellter Übesetzungen.Geschichte der Übersetzung
Während die Ostkirchen schon früh Bibeln in der jeweiligen Landessprache verwendeten (vgl. Altkirchenslawisch), war im Westen die Vulgata maßgebend, die lateinische Bibelübersetzung von Hieronymus. Die gotische Wulfila-Bibel (4. Jahrhundert) fällt in den Bereich der Ostkirche und kann nicht zu den deutschen Übersetzungen gerechnet werden. Deutsche Übersetzungen der Vollbibel entstanden erst im späten Mittelalter.Ansatz zur Übersetzung
Wahl des Originaltextes
Übersetzungen der Bibel in die deutsche Sprache
Lutherbibel
Zürcher Bibel
Dietenberger/Ulenberg Bibel
Elberfelder Bibel
Schlachter-Bibel
Einheitsübersetzung
Gute Nachricht
Hoffnung für Alle
Jörg Zink
Ds Nöie Teschtamänt Bärndütsch
Recht nah beim Text, aber in Umgangssprache.Neue Genfer Übersetzung
Nestle-Alands Interlinearübersetzung
Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift
Hermann Menge
Pfäfflin
Hans Bruns
Herbert John Jantzen
Fridolin Stier
Fridolin Stiers (1902-1981) aus dem Nachlass des Theologen und Orientalisten 1989 herausgegebenes Werk Das Neue Testament. Übersetzt von Fridolin Stier hat sich ähnlich Martin Buber einer Verdeutschung unterzogen, der neben genauer Wörtlichkeit ebenso an derGestalt eines Textes und deren adäquat nachgestaltender Wiedergabe gelegn war.
der Menschen und der Engel rede
die Liebe aber nicht habe
- dröhnender Gong bin ich oder lärmende Zimbel. (1. Korinther 13,1)Übersetzungen des alten Testaments in jüdischer Tradition
Zu nennen sind auch die Übersetzungen von Lazarus Goldschmidt und Tur-Sinai.Weblinks






