Beowulf
Beowulf ist ein episches Heldengedicht in angelsächsischem Stabreim. Mit seinen 3182 Versen stellt es das bedeutendste erhaltene Einzelwerk angelsächsischer Sprache dar; gleichzeitig ist es 10% des gesamten Textguts der Sprache. Das einzige erhaltene Manuskript hat keinen Titel; seit dem 19. Jahrhundert ist der Name des Helden, Beowulf, gleichzeitig als Name des Gedichts in Gebrauch.
Beowulf ist nur von einem einzigen, in der Britischen Bibliothek aufbewahrten Manuskript bekannt.
Diese Manuskript wurde zuerst als Cotton Vitellius A.XV bezeichnet, und überstand 1731 nur leicht beschädigt ein Feuer im Burnham House.
Beowulf ist das älteste erhaltene Gedicht, das der englischen Sprache angehört.
Als Entstehungsdatum des Manuskripts wird gewöhnlich das 10. Jahrhundert angenommen.
Dieses Beowulf-Manuskript enthält daneben noch ein kurzes Gedicht mit Titel Judith.
Das Gedicht wurde von zwei Schreibern zu etwa gleichen Teilen niedergeschrieben.
Der isländische Gelehrte Grímur Jónsson Thorkelin fertigte 1818 eine erste Abschrift des Manuskriptes an.
Aufgrund des zunehmenden Zerfalls des Originalmanuskripts ist diese Abschrift in der modernen Forschung von großer Bedeutung.
Der Entstehungszeitpunkt des Gedichts selber ist weniger klar.
Altertümliche Worte im Text lassen eine Entstehung in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts möglich erscheinen; aber auch etwas spätere Daten sind nicht auszuschließen.
Die Sprache des Gedichts wird als spätes West Saxon, ein Dialekt des Angelsächsischen, angesehen.
Es gibt allerdings Hinweise, dass das Gedicht ursprünglich in einem Dielekt der Angeln, wahrscheinlich in Mercianisch, verfasst wurde.
Das im Wesentlichen fiktionale Gedicht ist in ein historisches Umfeld im Dänemark und Schweden des 5. - 6. Jahrhundert eingebettet.
Insofern wirft es Licht auf einige historische Personen (Hygelac, Offa) und Ereignisse (Schlacht bei Finnsburg).
Nach England gelangte das Gedicht wahrscheinlich durch dänische Auswanderer, wo es in Folge übersetzt oder umgeschrieben sein mag.
Die Erzählung folgt dem Schicksal des jungen Helden Beowulf vom Volk der in Schweden lebenden Gauten.
Er fährt mit 14 Gefährten nach Dänemark, um Hrodgar, dem König der Dänen, beizustehen.
Dieser wird von Grendel einem menschenverschlingenen Ungeheuer (eventuell in der Tradition nordischer Trolle) heimgesucht.
In zwei Kämpfen besiegt Beowulf zuerst Grendel, und danach seine nach Rache strebende Mutter.
Hrodgar zeichnet Beowulf durch die Gabe reicher Gastgeschenke aus.
Der zweite Teil des Gedichts spielt viele Jahre später. Der zum König der Gauten aufgestiegene Beowulf sieht sich einem feuerspeienden Drachen, der seine Lande verwüstet, gegenüber.
Wie im ersten Teil versammelt er eine Schar von Gefolgsleuten, und zieht der Gefahr entgegen.
Diesmal muss er jedoch seinen Einsatz mit dem Leben bezahlen; von den Gefährten steht ihm nur einer im entscheidenden Moment bei.
Die im Gedicht beschriebene Gesellschaft legt Wert auf Ehre, Mut und Tapferkeit; Kämpfer sind hoch angesehen, und erreichen bedeutende Positionen.
Der König, der seine Position als Beschützer des Landes erreicht, erwartet den Kriegsdienst seiner Mannen; selbige werden von ihm für ihren Einsatz mit Waffen, Wertgegenständen und Ländereien belohnt.
Daneben sieht sich der Einzelne unter dem Einfluss eines übermächtigen Schicksals;
Beowulf etwa geht in die Auseinandersetzungen mit der Einstellung, dass nicht er selbst, sondern das Schicksal letztenlich den Ausgang entscheiden wird.
Das Gedicht vermischt nordische mit christlichen Traditionen.
Die Personen zeigen alle traditionell germanische und nordische Charactereigenschaften.
Moralische Entscheidungen werden jedoch oft durch eine christliche Sichtweise ergänzt.
Auch Grendel wird als Nachkomme des Brudermörders Kain in eine christliche Werteordnung gestellt.
Es wird spekuliert, dass Beowulf die christianisierte Form eines traditionell nordischen Stoffes darstelle.
John Gardner erzählt die Sage aus Sicht des Monsters in seinem Roman Grendel.
Michael Crichton Roman Eaters of the Dead basiert auf Beowulf, und wurde als The 13th Warrior mit Antonio Banderas in der Hauptrolle verfilmt.
J. R. R. Tolkien übernahm Namen und Motive aus Beowulf für seine Mittelerde-Romane.
Er schrieb daneben die Kritik Beowulf: The Monsters and the Critics.
Siehe auch: Beowulf-Cluster, das Design zur Vernetzung von Computern zu Hochleistungszwecken.Überlieferung und Entstehung
Inhaltliches
Beowulfs literarischer Einfluss
Weblinks






