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Antisemitismus (Spätmittelalter-Frühe Neuzeit)

Der Antisemitismus im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit ist ein Aspekt der durch Reformation, Hexenwahn, Pest und Türkengefahr geprägten Auseinandersetzungen in Europa.

Seit ihrer Vertreibung aus Jerusalem im Jahre 70 sind die Juden durch ihre Diasporasituation dem Antisemitismus in Wort und Tat ausgesetzt gewesen. Das Mittelalter war eine Zeit der Seuchen und des Aberglaubens. U.a. bezichtigte man die Juden der Brunnenvergiftung und des Hostienfrevels.

Die theoretischen Grundlagen

Mehrere Gruppen von Antisemiten sind zu nennen, die (zunächst) in Wort und Schrift gegen die Juden vorgingen:

Antisemitische Schriften

Die
Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich Institoris verfassten den Hexenhammer, eine durch den soeben erfundenen Buchdruck in gewaltiger Menge verbreiteten Hexenbulle (von 1487 bis 1609 29 Auflagen!). Dieses Werk bildete die Grundlage nicht nur der Hexen-, sondern auch einer breit angelegten Judenverfolgung

Als weitere Autoren traten mit judenfeindlichen Schriften in Erscheinung:

Martin Bucer greift dieses Sichtweise auf und gibt in seinem Ratgeber für den Umgang mit Juden die Anweisung: ?ir Recht ist jnen von dem Barmhertzigen Gott vff erlegt, das sie bey den volkern, bey denen sie wonen, die vndersten und der schwanz sein vnd am aller herttestenn gehalten werden sollenn.

Auch über die Schuld der Juden an politischen Nöten und Zwistigkeiten hat Margaritha ein bekanntes Denkmuster weiter profiliert: Die Juden frohlocken sehr, wenn sich ein Krieg in der Christenheit vor allem durch den Türken erhebt. Dann beten sie weiter gegen alle Obrigkeit der Christen. Sie können nicht leugnen, dass ihr Fluche auf die jetzigen christlichen Königreiche und das Kaisertum gehe.

Zu dem hinsichtlich der Juden besonneneren Flügel der Reformatoren zählte Philipp Melanchthon, der 1539 auf dem Ständetag in Frankfurt die Unschuld von 38 Juden belegte, die 1510 wegen Hostiendiebstahls verbrannt wurden. Besonders ist auch Andreas Osiander hervorzuheben, der in einer (von den Zeitgenossen bald identifizierten anonymen) Flugschrift ("Ob es wahr und glaublich sey, daß die Juden der Christen kindt heymlich erwürgen und ihr Blut gebrauchen, ") 1540 engagiert und hoch differenziert gegen antisemitische Vorwürfe des Ritualmordes vorgeht und schließlich zusammenfasst: "Wer aber will so teuflische Hirngespinste glauben, die gegen Gottes Wort, die Natur und alle Vernunft sind?"

Nicht bei allen Reformatoren fanden Luthers antisemitische Auslassungen ein freundliches Echo. Insbesonder der Schem Hamphoras stießen bei Melanchthon sowie dem Schweizer Reformator Heinrich Bullinger auf Kritik: von einem Schweinehirten, nicht von einem berühmten Seelenhirten geschrieben.

Luther fungiert aufgrund seiner literarischen Fähigkeiten nach Lage der Dinge eher als Sammler und Verstärker des vielfältigen ihm wohlbekannten antisemitischen Gedankengutes seiner Zeit. Er funktionalisiert alle verfügbaren Argumente und Gehässigkeiten um in seine Verurteilung der Juden wegen ihrer "Verstockung". Zu klären bliebe, ob und welche eigenständigen Gedankengänge aus Luthers Sicht im antisemitischen Konzert seiner Zeit heraus ragen.

siehe: Antisemitismus, Mittelalter



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